So eine Weltreise geht nicht spurlos an einem vorbei. „Reisen bildet“, heißt es. Zu Recht! Wer länger als ein paar Wochen in der Welt unterwegs ist, macht neue Erfahrungen, findet neue Freunde, lernt neue Dinge.

Manchmal begreift man erst hinterher, wie sehr man sich während der Reise verändert hat. Wenn man nämlich zurück in der alten Heimat ist und merkt, dass so vieles nicht mehr wichtig ist. Dass die meisten unserer Probleme in Deutschland echte Luxusprobleme sind. Oder glaubt wirklich jemand, dass die Welt besser wird, weil in einem denkmalgeschützten Wohnhaus keine neuen Fenster eingesetzt werden dürfen?

Andere Veränderungen aber werden bereits während der Reise spürbar. Der größte Perspektivwechsel, der sich bei uns vollzogen hat, betrifft das Thema Nachhaltigkeit. Umwelt- und damit auch Klimaschutz waren für uns schon immer selbstverständlich. Dachten wir. Und dann sind wir gereist und haben verstanden, wie wenig wir eigentlich wussten. Und wie destruktiv unser Lebensstil war und ist.

Die Beweise sind überall

Wir haben gesehen, wie sehr sich Gletscher aufgrund der Erderwärmung in den letzten Jahren zurückgezogen haben. Wir haben Müllberge gesehen, die sich in Straßen, in Flüssen und an Stränden auftürmen. Straßen, in denen Kinder spielen sollten. Flüsse, die die Lebensader für Dörfer und Städte sein sollten. Wir haben verendete Tiere in weggeworfenen Fischernetzen gesehen und Plastikflaschen inmitten absterbender Korallengärten. Wir sind durch kilometerweite, lebensfeindliche Palmölplantagen gefahren. Wir haben die brennenden Regenwälder in Südostasien gesehen. Und wir haben gesehen, wie der Tourismus dazu führt, dass sich ganze Landstriche verändern – fast nie zum Besseren.

Für all das mussten wir keine speziellen Touren buchen oder uns in aufwändige Expeditionen stürzen. Die Veränderungen, die Wunden, die wir unserer Erde zufügen, sind überall sichtbar. Wenn man nur hinschauen will. Wir haben geschafft, was vor uns nur ein riesiger Asteroid geschafft hat: Wir sind kurz davor, unsere Welt so sehr zu zerstören, dass höheres Leben auf lange Zeit nicht mehr möglich sein wird. Wahrscheinlich schaffen wir das sogar noch gründlicher als das Ereignis, das die Dinosaurier weitgehend ausgerottet hat.

Man müsste nicht einmal weit reisen, um das zu begreifen. In unserer Kindheit sind wir morgens mit dem Zwitschern von zahlreichen Vögeln aufgewacht. Auch mitten in der Stadt. Und heute? Heute freuen wir uns, wenn sich irgendwo mal ein einzelnes Vogelstimmchen erhebt.

Wenn wir als Familie einen Ausflug mit dem Auto gemacht haben, war die Windschutzscheibe hinterher ein regelrechter Insektenfriedhof. Und heute? Heute gibt es so wenige Insekten in Deutschland, dass wir immer den vollen Durchblick haben. Ein zweifelhafter Vorteil des massenhaften Einsatzes von Pestiziden, um unseren immer größeren Bedarf an perfekten, standardisierten und billigen Nahrungsmitteln zu sättigen. (Wusstet ihr, dass Deutschland auf Platz 9 der Länder mit den günstigsten Lebensmitteln im Vergleich zum Einkommen liegt?)

Unser Anteil

Es ist einfach, sich in Deutschland vor diesen Fakten und Beweisen zu verstecken. Unsere Flüsse sehen auf den ersten Blick sauber aus. Unsere Straßen und Parkplätze sind so müllfrei, wie es woanders auf der Welt nicht einmal die Küchen sind. Deutschland ist leise, aufgeräumt, geordnet. Selbst unsere Fabriken wirken „sauber“. Wir sehen die Müllmassen nicht, die wir verursachen, weil alles sofort entsorgt und abtransportiert wird.

Unsere Reise hat uns in gewisser Weise „aufwachen“ lassen. Wir wünschten, dies wäre früher geschehen. Dann hätten wir früher beginnen können, unseren Lebensstil zu überdenken und Veränderungen vorzunehmen. Wahrscheinlich wären wir dann auch anders gereist.

Denn unsere Reise war alles andere als klimafreundlich. Auch wir sind mit Flugzeugen geflogen. Auch wir waren an diesen Orten, an denen Touristen Flora und Fauna vertrieben haben. Schön, dass wir versucht haben, auf die allgegenwärtigen Plastiktüten zu verzichten. Schön, dass wir uns unterwegs einen Wasserfilter gekauft haben, der inzwischen hunderte Plastikflaschen eingespart hat. Schön, dass wir an jedem Strand, an dem wir waren, säckeweise Müll eingesammelt haben. Aber all das verblasst neben den Tonnen von freigesetztem CO₂, die wir allein durch unsere Flüge verursacht haben.

Der Anfang einer neuen Reise

Es ist wirklich, als wären wir aus einem schönen Traum aufgewacht und direkt in einem Albtraum gelandet – der aber leider bittere Wirklichkeit ist. Den wir mitgestaltet haben.

Und nun? Wir ändern uns. Wir sind trotz allem froh, diese Plastiktüten und -flaschen eingespart zu haben. Wir haben unsere CO₂-Emissionen während der Reise kompensiert. All das ist nicht immer einfach oder bequem. Wir stoßen vielerorts noch auf Unverständnis, obwohl die Veränderungen, die wir vorgenommen haben, eigentlich recht milde und vor allem viel zu wenig sind.

Auch für unsere Beziehung ist das nicht immer leicht. Klar, wir sind zwei verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen und einem unterschiedlichen Grad von Panik angesichts der drohenden Klimakatastrophe. Aber wir gehen diesen Weg gemeinsam, so wie wir unsere Weltreise gemeinsam gestaltet haben. Und wir stehen erst am Anfang dieser neuen Reise.