Nach unserer Weltreise bewegt uns kaum ein Thema so sehr wie der Klimawandel. Zum einen, weil die Diskussion, wie wir die Erderwärmung stoppen oder zumindest verlangsamen können, in aller Munde ist. Zum anderen aber auch, weil uns das Ausmaß und die Auswirkungen dieser Erwärmung beim Reisen erst so richtig vor Augen geführt wurden.

Außerdem glauben wir fest daran, dass die Menschheit derzeit kein wichtigeres Ziel haben sollte, als den Klimawandel in den Griff zu kriegen – selbst wenn man glaubt, dass das alles ein rein natürliches Phänomen ist. Denn wenn sich unsere Erde weiter erwärmt, wird alles andere zur Nebensache. Dann kann es uns herzlich egal sein, ob wir in Deutschland 12 oder 13 Schuljahre haben, ob England irgendwann den Brexit durchzieht oder welches Land die olympischen Spiele 2032 ausrichten wird. Bis dahin werden wir nämlich um unser nacktes Überleben kämpfen.

Ressourcen und Erderwärmung

Warum? Weil die Menschheit auf Pump lebt. Jahr für Jahr verbrauchen wir mehr Ressourcen, als die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Der Earth Overshoot Day (Welterschöpfungstag), also der Tag, ab dem wir aufs Jahr gerechnet der Erde mehr entnehmen als wir dürften, war 2019 der 29. Juli. Mehr als fünf Monate vor Jahresende!

Doch es kommt noch schlimmer: Rechnet man allein den Konsum des durchschnittlichen Deutschen hoch, läge der Welterschöpfungstag bereits auf dem 3. Mai! Würde also jeder Mensch so leben wie wir es in Deutschland tun, dann bräuchten wir drei Erden, um dies zu stemmen.

Gleichzeitig verursacht unsere Lebensweise die Freisetzung von immer mehr klimaschädlichen Treibhausgasen. Methan und Kohlenstoffdioxid sind dabei die bekanntesten und ganz vorne dabei in der aktuellen Klimadebatte. Dabei sind Treibhausgase – zu denen auch Wasserdampf zählt – an sich gar nicht schlimm. Ohne sie wäre die Welt nämlich viel zu kalt, um Leben überhaupt zu ermöglichen.

Doch wir entnehmen der Erde – in Form von Erdöl, Erdgas, Holz und vielen weiteren Rohstoffen – mehr gespeicherte Treibhausgase, als sie wieder einlagern kann. Wir reduzieren sogar ihre Speicherkapazitäten, indem riesige Waldflächen und Moore unserem Konsumhunger zum Opfer fallen. Dabei sind die langlebigen Klimagase Kohlenstoffdioxid, Methan und Lachgas in besonderem Maße für die zu starke Erderwärmung verantwortlich.

Reisen hat Folgen

Nun haben wir durch unsere Weltreise nicht gerade dafür gesorgt, dass weniger Treibhausgase freigesetzt werden. Ganz im Gegenteil. Den Löwenanteil an unserem sogenannten CO₂-Fußabdruck hatten unsere Flüge. Allein die haben für uns zwei (wahrscheinlich – unten mehr dazu) mehr als 40 Tonnen CO₂-Äquivalente freigesetzt.

Zur Erläuterung: Von CO₂-Äquivalenten spricht man, weil in eine vernünftige Betrachtung des Treibhauseffektes eben nicht nur Kohlendioxid, also CO₂, hineinfließt, sondern auch die weiteren, oben erwähnten Treibhausgase. Diese werden je nach ihrer Wirkung in die äquivalente Menge CO₂ umgerechnet, um mit nur einem einzigen Wert weitermachen zu können.

40 Tonnen, das ist das, was ein einziger Bundesbürger sonst in etwa dreieinhalb Jahren verursacht. Und wohlgemerkt, auch das ist ja schon um ein Vielfaches zu hoch, um die Erderwärmung auf 1,5° gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Kompensieren

Im gleichen Maße, wie bei uns das Bewusstsein über unser eigenes, klimaschädliches Verhalten wuchs, nahm auch der Wunsch zu, das irgendwie wieder gut zu machen. Zwar können wir unsere Flüge nicht wieder zurücknehmen. Und auch wenn es ein paar Ansätze gibt, wie CO₂ wieder aus der Atmosphäre entfernt werden könnte, steht uns diese Technologie nicht zur Verfügung bzw. ist für uns derzeit nicht erschwinglich.

Was wir aber tun konnten und wollten war, unseren CO₂-Ausstoß zu kompensieren. Das geht, indem man Projekte unterstützt, die ihrerseits CO₂ einsparen. Wenn beispielsweise ein Dorf mit Biogas- und Biomasseanlagen ausgestattet wird und so keine wertvollen Wälder mehr abholzen muss. Oder indem Windkraft- oder Solarkraftanlagen gefördert werden. Im besten Fall hat so ein Projekt dann auch noch einen wirtschaftlichen Nutzen für die Menschen vor Ort. Sei es, weil sie selbst an dem Projekt mitarbeiten können, sei es, weil Gleichberechtigung und Bildung gefördert werden.

Für das so eingesparte CO₂ werden Zertifikate ausgestellt, die man kaufen kann. Damit lässt sich also die eigene Klima-Bilanz verbessern.

Natürlich darf die Kompensation von CO₂-Emissionen durch Zertifikate kein Freibrief sein. Denn die Treibhausgase, die wir freigesetzt haben, sind ja nach wie vor in der Atmosphäre und heizen dort für die nächsten hundert bis tausend Jahre die Welt auf. Zuerst sollte immer die Vermeidung und die Reduzierung von CO₂-Emissionen stehen. Doch für das, was unvermeidlich ist oder, wie in unserem Fall, nun schon einmal geschehen ist, stellen diese Zertifikate zumindest einen rein rechnerischen Ausgleich her.

Klimaschutzprojekte

Angesichts der Brisanz der aktuellen Klimadebatte verwundert es nicht, dass es mittlerweile zahllose Anbieter gibt, die Zertifikate an Privatkunden verkaufen. Darunter diejenigen zu finden, die nach vernünftigen Standards arbeiten, ist gar nicht so einfach. Glücklicherweise hat die Stiftung Warentest im Februar 2018 einige davon unter die Lupe genommen. Die im Test angesetzten Kriterien überzeugten uns, weshalb wir uns bei der Auswahl der Organisationen an dem dort veröffentlichten Ranking orientierten.

Die unterstützten Klimaschutzprojekte sollten beispielsweise zertifiziert sein nach dem sogenannten Gold-Standard. Dieser wurde 2003 vom WWF und anderen Umweltorganisationen ins Leben gerufen und soll sicherstellen, dass Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern nachhaltig nicht nur dem Klima, sondern auch den Menschen vor Ort zugutekommen. Große Wasserkraftprojekte beispielsweise würden diesem Gedanken widersprechen. Wir haben in Kambodscha und Laos ja selbst gesehen, was für diesen vermeintlich sauberen Strom zerstört wird.

Des Weiteren sollten die Projekte nur durch den Zertifikatshandel überhaupt möglich sein. Ein Projekt, das auch ohne diese Unterstützung realisiert worden wäre, spart ja kein zusätzliches CO₂ ein.

Und es sollten keine Projekte durch die Zertifikate vorfinanziert werden. Einige Anbieter verkaufen quasi das Versprechen auf spätere Einsparungen durch ein Projekt, welches es noch gar nicht gibt. Ob es jemals umgesetzt wird, und wie viel CO₂ dadurch eingespart wird, ist also fraglich.

Klimaschutz durch Aufforstung

Neben den oben skizzierten Projekten gibt es auch Anbieter, die CO₂ einsparen, indem sie Wälder aufforsten. Diese Maßnahmen sind umstritten. Es gibt gute Argumente für die Unterstützung dieser Aufforstungsprojekte. Immerhin sind Bäume in der Lage, CO₂ aus der Luft auch wieder zu binden. Sie sparen also nicht Emissionen ein, sondern reduzieren relativ kurzfristig die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Auf der anderen Seite leben Bäume nicht ewig. Das heißt, das so gebundene CO₂ wird irgendwann auch wieder freigesetzt.

Für uns ergibt es trotzdem furchtbar viel Sinn, für mehr Wälder auf der Welt zu sorgen. Und sei es als Ausgleich für das, was aktuell auf der Welt verbrannt wird – vom Amazonas über Sibirien bis hin nach Indonesien.

Weil wir uns aber nicht nur für einen Anbieter entscheiden konnten (und unser auszugleichendes Volumen ja nicht ganz klein war), drittelten wir das Ganze kurzerhand. So glichen wir bei jedem der drei Anbieter, die bei Stiftung Warentest mit „sehr gut“ abgeschnitten hatten, 18 Tonnen CO₂ aus.

Unsere Zertifikate

Der internationale Marktführer und Testsieger ist atmosfair. Diese gemeinnützige Organisation entstand aus einem Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums und ist eine Gemeinschaftsinitiative des Reiseveranstalterverbandes forum anders reisen und der Umwelt- und Entwicklungsorganisation „Germanwatch“. atmosfair hat sich also auf die Kompensation von Flugreisen spezialisiert und bietet dazu auch einen detaillierten Kalkulator an (s.u.). Man kann aber natürlich auch jede beliebige Menge CO₂ kompensieren lassen.

Genau wie atmosfair unterstützt auch die Klima-Kollekte vorrangig soziale Projekte in Entwicklungsländern, durch die Treibhausgasemissionen vermieden werden.

Die Klima-Kollekte ist ein gemeinnütziger CO₂-Kompensationsfonds christlicher Kirchen, der natürlich Angehörigen aller Konfessionen genauso wie Nichtgläubigen offensteht. Auch die Klima-Kollekte bietet einen Online-Rechner für CO₂-Emissionen an und zwar nicht nur für Flüge.

PrimaKlima schließlich schützt das Klima, indem sie Wälder pflanzen. Nicht nur in Ländern wie Bolivien und Nicaragua, sondern auch an mehreren Standorten in Deutschland. Dabei werden Sicherheitspuffer eingerechnet, da man davon ausgehen muss, dass nicht jeder gepflanzte Baum auch wirklich groß wird. PrimaKlima bietet ebenfalls einen CO₂-Rechner für Flüge und das tägliche Leben an.

Übrigens ist der Preis für eine eingesparte Tonne CO₂ gar nicht so hoch. Wir haben bei atmosfair und der Klima-Kollekte 23 € pro Tonne bezahlt, bei PrimaKlima sogar nur 15 €. Das liegt daran, dass Aufforstungsprojekte in der Durchführung günstiger sind als soziale Projekte.

Flugberechnung

18 Tonnen x 3 macht 54 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Wie wir auf diesen Wert gekommen sind?

Zuerst schauten wir uns unsere Flüge an. Wie bereits beschrieben gibt es dafür eine Vielzahl von gebührenfreien Online-Rechnern, von denen nur einige durch einen Anbieter von CO₂-Zertifikaten zur Verfügung gestellt werden.

Aus reiner Neugierde vergleichen wir die Werte unterschiedlicher Kalkulatoren und erschraken gehörig: Die Ergebnisse schwankten teilweise um mehr als das Doppelte! Das ist natürlich wenig vertrauenserweckend und verunsicherte und noch mehr. Klar, dass es unmöglich sein würde, die grammgenauen CO₂-Emissionen für genau unseren Flug herauszufinden. Aber auf einen vernünftigen Näherungswert hatten wir schon gehofft.

Die Erklärung dahinter ist jedoch relativ einfach: Die meisten CO₂-Flug-Rechner orientieren sich vor allem an der geflogenen Strecke. Je nachdem, ob es sich um einen Kurz-, Mittel- oder Langstreckenflug handelt, verändert sich das sogenannte Flugprofil. Ein Langstreckenflugzeug fliegt in größeren Höhen, wo die Emission von Treibhausgasen besonders schädlich ist. Dies wird über den RFI-Faktor (Radiative Forcing Index) berücksichtigt. Und der schwankt je nach Anbieter zwischen 1 und 3. (Empfohlen wird vom Weltklimarat ein Faktor von 2,7.)

Darüber hinaus beziehen einige Online-Rechner ein, ob man Economy– oder Business-Klasse geflogen ist und ob es sich um einen Linien- oder einen Charterflug handelte.

Daher also die großen Unterschiede in unseren Berechnungen. Weil wir die exakten Werte ohnehin nicht rausfinden würden, entschieden wir uns dazu, den Mittelwert aus den sechs verschiedenen Aufstellungen zu nehmen.

Flüge in Zahlen

Für die Zahlenliebhaber unter euch und die, die so etwas gerne ein bisschen genauer einschätzen können möchten:

Wir sind während unserer Weltreise insgesamt gut 110.000 Kilometer geflogen. Dafür sind wir 30mal ins Flugzeug gestiegen. Die errechneten Gesamtemissionen pro Person reichten von 14,3 Tonnen bis 29,7 Tonnen CO₂. Im Mittel kamen wir auf 21,5 Tonnen für jeden von uns.

Unser kürzester Flug war nur 233 Kilometer lang und brachte uns von Medellín nach Bogotá. Das verursachte durchschnittlich 58 kg CO₂ pro Person.

Unser längster Flug ging von Buenos Aires nach Auckland, war 10.324 Kilometer lang und schlug mit sage und schreibe 2.789 kg CO₂ pro Person zu Buche.

Autofahrten und Kreuzfahrt

Weil wir während unserer Weltreise nicht nur geflogen sind, sondern uns auch sonst ziemlich viel bewegt haben, wollten wir es aber nicht nur bei der Kompensation unserer Flüge belassen. Wir überlegten, wo es während dieser 13 Monate noch größere CO₂-Posten gegeben haben könnte, die sich einigermaßen gut abschätzen ließen.

Uns fielen die langen Strecken ein, die wir in Neuseeland (8.000 Kilometer) und Australien (10.120 Kilometer) mit Campervan und Auto zurückgelegt hatten, sowie die abenteuerliche Taxifahrt nach Koh Chang in Thailand (500 Kilometer) und unser Tagesausflug in den Vereinigten Arabischen Emiraten (250 Kilometer).

Glücklicherweise ist die Streuweite der CO₂-Berechnung von Autostrecken nicht so groß wie die von Flügen. Der CO₂-Ausstoß hängt dabei direkt vom Verbrauch des Fahrzeugs und dem Treibstoff (Diesel oder Benzin) ab. So kamen wir auf einen Mittelwert von 5,3 Tonnen CO₂ für uns beide.

Zu guter Letzt versuchten wir noch, unsere Galápagos-Kreuzfahrt zu berechnen. Grundsätzlich gibt es selbst für Kreuzfahrten Online-CO₂-Rechner. Die sind aber auf größere Schiffe ausgelegt. Wir taten unser Bestes und kamen auf 4,9 Tonnen CO₂ für uns beide raus.

Fazit

Natürlich haben wir mit der Kompensation von 54 Tonnen CO₂ unsere Weltreise nicht ungeschehen gemacht. Und wir haben auch nicht alle Emissionen, die wir in dieser Zeit verursacht haben, kompensiert. Doch wir haben einen deutlichen Schritt in die – für uns – richtige Richtung getan.

Außerdem haben wir gelernt, dass der Ausgleich von unvermeidbaren CO₂-Emissionen gar nicht so teuer ist, wie wir anfangs meinten. Die 1.100 €, die wir dafür gezahlt haben, sind nicht einmal 2 % der 59.700 €, die wir für den Rest unserer Weltreise ausgegeben haben.

Wir glauben, dass jeder, der sich eine Reise leisten kann, sich auch zumindest den CO₂-Ausgleich seiner Flüge leisten kann. Angesichts immer billigerer Flugtickets und der Steuerfreiheit von Kerosin ist das doch eigentlich das Mindeste, das wir für den Erhalt unserer Erde tun können.