Nachhaltig, vielleicht sogar klimaneutral reisen, das ist erst einmal ein Widerspruch in sich. Nicht nur bei Fernreisen, aber dort ganz besonders. Auch mit unserer Weltreise haben wir (einzeln betrachtet) der Erde mehr zugesetzt, als es der Durchschnittsdeutsche in über zwei Jahren tut – und der lebt schon so, dass wir eigentlich drei Erden bräuchten. Will sagen: Wenn jeder Mensch auf der Welt eine Weltreise wie die unsere machte, kämen wir nicht einmal mit den sechsfachen Ressourcen unseres Planeten hin.

Das sind Zahlen die Angst machen und ein ganz, ganz schlechtes Gewissen. Wir haben dagegen ein bisschen etwas getan, indem wir Projekte gefördert haben, die einen Großteil unseres CO₂-Verbrauchs in diesem Jahr ausgeglichen haben.

Außerdem haben wir versucht, schon während unserer Reise viele kleine Dinge umzusetzen, die zumindest in die richtige Richtung gehen. Niemand ist perfekt und auch wir sind immer wieder zurückgefallen in alte Verhaltensmuster oder haben schlicht zu spät an unsere Metallstrohhalme gedacht. Woanders ist uns die Kommunikationsbarriere dazwischengekommen. Aber wir haben uns davon nicht beirren lassen und es beim nächsten Mal einfach wieder versucht.

Transporte

Nur wer sich unbegrenzt Zeit nehmen kann (und offener für das Unbekannte ist, als wir das zugegebenermaßen sind) schafft es, die Erde einmal zu umrunden, ohne dafür ins Flugzeug zu steigen. Zu Beginn unserer Reise war das für uns auch noch gar kein Thema. Erst nach und nach wuchs in uns die Erkenntnis, was wir da eigentlich verursachen mit unserer Reise.

Glücklicherweise waren wir schon immer gute „Zu-Fuß-Läufer“ und nutzen am liebsten öffentliche Verkehrsmittel. Das Taxi war für uns nur äußerst selten und meist aus Sicherheitsgründen das Mittel der Wahl. So erlebten wir unsere Umgebung viel intensiver, sahen mehr, konnten in Ruhe Fotos machen, blieben fit und sparten nebenbei eine Unmenge Geld.

Jan vor einem öffentlichen Bus in KambodschaFür Strecken innerhalb eines Landes – und manchmal auch über Landesgrenzen hinaus – bieten sich in vielen Teilen der Welt Busse und Züge (und Fähren) an. Klar, dass das nicht immer komfortabel ist. Aber das wäre die gleiche Strecke mit dem Taxi meist auch nicht. Schlagloch bleibt Schlagloch, egal, in welchem Fahrzeug man sitzt.

Innerhalb einzelner Kontinente ist es durchaus machbar, ganz auf das Flugzeug zu verzichten. Viele Grenzübergänge sind inzwischen viel weniger schrecklich, als es noch vor wenigen Jahren der Fall gewesen sein mag. Immer mehr Rucksacktouristen wählen diese Routen und mit ein wenig Vorbereitung kommt man meist gut, sicher und mit einem Minimum an Bestechungsgeldern in das nächste Land. Mehr erlebt hat man so allemal.

Natürlich wollen wir niemandem das Fliegen verbieten. Aber wenn ein Flug von Jakarta nach Bali nicht einmal 50 € kostet, dann hat dieser Flug trotzdem ökologische Folgen, die nicht gerade klein sind. (Für diese Strecke sind das – pro Person – beispielsweise etwa 300 kg CO₂ (± 20%, je nach Rechnungsgrundlage). So viel, wie für den Genuss von 30 kg Rindfleisch oder 650 kg Nudeln oder 130.000 regionalen Äpfeln anfallen.)

Konsum

Ein Schlüsselwort in der ganzen Klimadebatte lautet „Ressourcenschonung“ sein. Und das zu recht. Wenn wir weniger konsumieren, sinkt die Nachfrage nach Produkten, die dann in geringerer Menge produziert werden müssen. Und wo weniger produziert wird, werden weniger Ressourcen gebraucht und wird weniger CO₂ freigesetzt. Denn so schön das auch klingt – die „CO₂-neutrale Produktion“ gibt es nur über entsprechende Zertifikate auf dem Papier. So lange wir das Perpetuum mobile nicht erfunden haben, so lange wird es kein Produkt, keine Dienstleistung geben, die die Umwelt wirklich gar nicht belastet.

Dabei ist „Konsum“ weit gefasst. Ob Nahrungsmittel, Kleidung, Verpackungen, Souvenirs oder das Bierchen am Strand – das alles musste hergestellt werden und hat dabei Ressourcen verbraucht. Das meiste verursacht auch Müll bei der Entsorgung, der wiederum nicht einfach verschwindet. Jeder, der einmal an einem Strand gesessen hat, weiß, was wir meinen. Die Welt erstickt in unserem Müll.

Wir haben deshalb versucht, auf Dinge zu verzichten, die wir nicht brauchten oder nicht wirklich, wirklich wollten. Auch auf vermeintliche Gratisartikel. Wir haben die kleinen abgepackten Seifen in unseren Unterkünften nicht genutzt, wenn wir selbst noch Seife dabei hatten. Wir haben lieber Zahnpasta in der großen Tube gekauft, als die kleinen Probepäckchen zu nutzen. Flyer, Aufkleber und Stadtkarten haben wir nur genommen, wenn wir sie tatsächlich brauchten.

Wenn wir auf Märkten unterwegs waren, haben wir kein importiertes Obst oder Gemüse gekauft. Die regionalen Produkte schmeckten ohnehin viel besser und waren häufig günstiger. Außerdem stieg so die Chance, dass unser Geld den Menschen vor Ort zugutekam.

Müllvermeidung to go

Wir hatten immer zusätzliche Tüten und Beutel dabei, um beim Einkaufen keine zusätzlichen Plastiktüten zu bekommen. Auch wenn Plastiktütenverbote nicht die Welt retten werden: Jeder Mensch, der laut „Nein“ zur angebotenen Plastiktüte sagt, setzt ein Zeichen und steigert das Bewusstsein für die Menge an Müll, die da sinnloserweise verursacht wird.

Jan trinkt im Dschungel aus einer Mehrweg-TrinkflascheIrgendwann haben wir uns Metallstrohhalme und robuste Trinkflaschen gekauft. Zusammen mit unserem Wasserfilter hat das locker mehrere hundert Wasserflaschen eingespart. Wir konnten mit dem Filter nämlich völlig bedenkenlos überall (wirklich überall!) auf der Welt das Leitungswasser trinken. So ein Filter ist übrigens nicht einmal so lang wie ein Handy und wiegt nur einen Bruchteil davon.

Was uns allerdings noch gefehlt hat, waren wiederverwendbare To-Go-Becher für frische Fruchtsäfte und Smoothies, sowie verschließbare Boxen für unser geliebtes Streetfood. Auf beides sind wir ehrlicherweise zu spät gekommen. Immerhin hatten wir unsere Sporks dabei (zu Deutsch „Göffel“) – eine Kombination aus Gabel und Löffel, die wenig Platz wegnimmt und eine gute Alternative zum Wegwerfbesteck ist.

Tierisches

Der Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte ist schon lange kein rein ethisches Thema für Tierliebhaber mehr. (Auch wenn Maria zunächst aus reiner Tierliebe Vegetarierin geworden ist.) Vegetariern und Veganern wird vielerorts nach wie vor Unverständnis entgegengebracht. Doch es ist nicht der ineffektivste Weg, das Weltklima zu schonen. Der oben stehende Vergleich Rindfleisch/Nudeln/Äpfel macht das deutlich.

Der tägliche Fleischkonsum ist in Deutschland eine, verzeiht den schlechten Wortwitz, goldene Kuh. Und auch im Ausland gehört die Fleischbeilage quasi immer dazu. Indien ist hier eine rühmliche Ausnahme. (Und wir haben in Indien so gut gespeist wie kaum woanders auf der Welt!) Dabei sehen wir ein ähnliches Grundproblem wie beim Fliegen: Fleisch ist einfach zu billig. Und dort, wo es das nicht ist, ist es ein regelrechtes Statussymbol.

Ein Mann posiert mit einem toten Schwein in Ingapirca, EcuadorAber müssen es wirklich täglich Fleisch und Fisch sein? Jan ist weit entfernt davon, Vegetarier zu sein. Eine Woche „ohne“ ist für ihn jedoch kein Problem, ganz ohne Verzicht. Das öffnet neue kulinarische Horizonte und das geht auch auf Reisen.

Weil es mancherorts zu einer echten Herausforderung wird, nur zu fragen, ob es vegetarisches Essen gibt, lohnt es sich, diese Vokabeln in der jeweiligen Landessprache zu lernen. Alternativ kann man sich Bilder von den Lebensmitteln beziehungsweise Tieren, die man nicht essen möchte, aufs Handy laden, um sie immer griffbereit zu haben.

Tierquälerei im Urlaub

Zu guter Letzt würden wir gerne allen Reisenden ein Thema ans Herz legen, das uns immer wieder tief bewegt hat. Wer in Dritte-Welt-Ländern unterwegs ist wird auch viele Beispiele für Tierquälerei sehen. Manche sind offensichtlich, andere sind es weniger. Gegen viele können wir als Außenstehende nichts tun. Einem asiatischen Reisbauern bleiben beispielsweise kaum andere Möglichkeiten, als seinen Wasserochsen so zu halten, wie er das tut.

Wo wir aber ganz konkret ein Zeichen setzen können, das sind all die Orte, an denen Tiere für rein touristische Zwecke eingesetzt werden:

Wenn ihr an einem Berg oder Vulkan unterwegs seid, an dem Ritte auf Maultieren, Ponys, Eseln, Lamas, etc. angeboten werden, dann verzichtet bitte darauf. Lasst euch lieber mehr Zeit für den Aufstieg und seid hinterher stolz auf das, was ihr aus eigener Kraft geschafft habt. Wer sich die Tiere genau anschaut, wird die aufgescheuerten Stellen an Rücken, Beinen, Nase, Schweif schnell sehen. Genauso wie die viel zu eng gezurrten Zügel für den runden Hals. Und das Keuchen, das man dann beim Aufstieg häufig hört, ist für ein Tier auch nicht normal.

In vielen Ländern Asiens werden außerdem Ritte auf Elefanten angeboten. Leider ist das immer noch ein boomender Markt. In sogenannten elephant sanctuaries wird dem Besucher dann vorgegaukelt, den Elefanten würde es gut gehen. Schließlich seien sie aus viel schlimmeren Verhältnissen gerettet worden. Doch der Elefantenrücken, so stark er auch aussieht, ist für die Belastung auch nur eines einzigen „Reiters“ nicht ausgelegt. Übrigens geht die moderne Verhaltensforschung mittlerweile davon aus, dass Elefanten zu den wenigen Tieren gehören, die ähnlich wie der Mensch ein Bewusstsein ihrer selbst haben. Für uns ist allein das Grund genug, diesen Tieren nur mit dem höchsten Respekt zu begegnen.

Auch hier ist Achtung geboten

Wir gehen gerne in Zoos. Wir sehen sie als eine Art Arche Noah, in der außerdem Wissen und Tierliebe vermittelt werden. Zoos können vom Aussterben bedrohten Tierarten genug Zeit erkaufen, bis der Mensch zur Besinnung kommt und die Lebensräume dieser einzigartigen Wesen nicht länger zerstört. Doch wir besuchen nur Zoos, denen das Tierwohl merklich am Herzen liegt. Gleichzeitig vermeiden wir Einrichtungen, in denen große Meeressäuger gehalten werden. Delfine und Orkas vermehren sich nicht in Gefangenschaft. Bis auf wenige Ausnahmen sind all diese Showtiere Wildfänge. Im Rahmen der großen Jagdaktionen sterben tausende dieser Tiere. Ein Bruchteil wird den Rest seines stark verkürzten Lebens in einem Schwimmbecken verbringen. (Auch Delfine haben ein Selbstbewusstsein. Und so ein hochintelligentes Tier soll nun für uns durch Ringe hüpfen?!)

Selbst wer einen großen Bogen um all diese Einrichtungen macht, wird immer mal wieder über tierische Fotomodelle stolpern. In Südamerika boten uns traditionell gekleidete Frauen Fotos mit Baby-Alpakas und Lämmern an. In Asien hätten wir uns Schlangen um den Hals legen lassen können oder mit Leguanen posieren. Bitte unterstützt dieses Geschäft nicht. Dass die Tiere artgerecht gehalten werden ist ein Ding der Unmöglichkeit. Darüber hinaus handelt es sich häufig um seltene oder bedrohte Tierarten.

Wir haben grundsätzlich kein Geld für Fotos mit oder von Tieren ausgegeben. (Streng genommen ist das nicht ganz korrekt. Für die Bilder von unserem Manta-Schnorcheltrip haben wir bezahlt. Dabei hatten wir aber ein gutes Gefühl, zumal es sich nicht um gefangene Tiere handelte, die wir da im Ozean gesehen haben.)

Am Ende des Tages wird jeder Reisende in sich selbst hineinhören, was er unterwegs für den Klima- und den Tierschutz tun kann und will. Würden wir mit unserem heutigen Wissen noch einmal losreisen, machten wir von vornherein einiges anders. Unsere Reise war für uns in vielerlei Hinsicht eine lehrreiche Erfahrung.