Aus dem ruhigen, backpackerfreundlichen Malaysia hinein ins unübersichtliche, touristische Thailand. Vor allem für Jan hielten die ersten Tage in Bangkok einen kleinen Kulturschock bereit. So unglaublich viele Menschen auf engstem Raum, riesige Distanzen, großstadttypischer Dauerlärm und eine Schrift, die unserer völlig fremd ist.

Irgendwie schafften wir trotz streikender GPS-Empfänger unserer Handys den Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu unserem Hostel. (Wie sich herausstellte, waren wir nur zu doof gewesen, diese aus dem Standby herauszuholen, also alles gut.) Aber das war definitiv das letzte Mal, dass wir mit Gepäck und ohne Ahnung einen Bus in Bangkok nehmen sollten! Das System, wo man zu- oder aussteigen darf und wo nicht, erschloss sich uns jedenfalls nicht, was sich in kurzer Panik entlud.

Ansonsten hat sich in den letzten sechs Jahren nicht viel geändert. Es ist noch ein bisschen voller geworden (so mein Eindruck). Vor allem laufen mehr Touristen herum und darunter erschreckend viele ältere, weiße Männer auf der Suche nach Thaifrauen. Aber vielleicht ist mir das damals auch nur noch nicht so aufgefallen. Es ist alles ein ganzes Stück teurer geworden – insbesondere gehören Tuktuks, diese markigen dreirädrigen Gefährte – inzwischen zu den teuersten Fortbewegungsmitteln. Dafür ist die Stadt aber auch ein ganzes Stück sauberer.

Auf dem Chatuchak Wochenendmarkt

Um den Kulturschock zu vervollständigen, schlossen wir uns nach unserer Ankunft einer abendlichen Tour des Hostels an, ohne zu wissen, dass die auf den Chatuchak Nachtmarkt gehen sollte. Wahrscheinlich wollten die Hostel-Mitarbeiter nur einfach selber dorthin und günstig essen.

Chatuchak, das ist der riesige (wirklich riesige) Wochenendmarkt in Bangkoks Norden. Er soll zu den größten der Welt gehören und hat nur samstags und sonntags geöffnet. Wer bei „Markt“ an Obst und Gemüse und vielleicht ein paar Klamotten denkt, der muss für Chatuchak ein neues Bild finden. Der Großteil des Marktes verliert sich zwischen tiefen Dächern, unter denen sich tausende von Ständen befinden. Theoretisch aufgeteilt nach Kategorien – von Souvenirs über Früchte, Süßigkeiten, Pflanzen, Lederwaren, Tiere, Drogerieartikel, Haushaltsgegenstände bis hin zu Essensständen. Nur Kleidung findet man in jeder Sektion.

Was wir nicht wussten ist, dass der Chatuchak Markt schon am Freitagabend öffnet. Allerdings nur entlang der wenigen Open-Air-Gebiete, durch die sich dann zehntausende Thais, wenige Touristen und ab und an ein Auto drängen. An wenigen Ständen kann man vor allem Süßkram wie sticky rice with Mango kaufen (süßer Klebereis mit Mango, ein Klassiker unter den asiatischen Desserts und auch für europäische Gaumen köstlich).

Jan war von der Enge ziemlich überfordert – immerhin war das erst sein erster Tag in Thailand – und auch ich hatte diesen Markt eigentlich anders in Erinnerung. Deshalb versuchten wir es am nächsten Tag noch einmal ganz regulär, allerdings kurz vor Ende der Öffnungszeiten. Da konnten wir zumindest einen etwas ruhigeren und auch vollständigeren Eindruck vom Markt gewinnen.

Wat Pho

Daneben war unser erster vollständiger Tag den Tempeln Bangkoks gewidmet. Denn diese gehören zu dem schönsten, was Thailands Hauptstadt zu bieten hat.

Nachdem wir uns bei der Bootsfahrt in den Tempelbezirk ordentlich haben abzocken lassen, führte uns unser Weg zunächst zum Wat Pho. (Wat bedeutet „Tempel“.) Dieser ist vor allem für seinen liegenden Buddha berühmt, der mit 46 Metern Länge beinahe zu groß ist für das Gebäude, in dem er ruht. Umso imposanter, vor ihm zu stehen und niemals die ganze Figur auf einmal sehen zu können. Das friedlich ruhige Gesicht, der warm-goldene Glanz und die mit kunstvollen Perlmutt-Intarsien verzierten Fußsohlen des Buddha bleiben lange im Kopf und im Herzen.

Der liegende Buddha ist übrigens nicht das Hauptheiligtum des Tempels. Dies ist eine vergleichsweise kleine Buddhastatue, der man auch als westlicher Tourist besonderen Respekt zollen muss. Im reichlich geschmückten Raum herrschte andächtige Stille, während wir auf dem mit Teppich ausgelegten Boden knieten und bewunderten.

Doch auch die restliche Tempelanlage – die ältesten Teile aus dem späten 17. Jahrhundert, der sogenannten „Ayutthaya Periode“ – ist beeindruckend und lädt dazu ein, stundenlang zu erkunden. Einige Gebäude befanden sich zum Zeitpunkt unseres Besuchs noch in Reparatur, aber das tat der Atmosphäre keinen Abbruch. Dafür gibt es einfach zu viele Chedis (thailändische Stupas), Tempel und Statuen, die einen zum Staunen bringen. 32 chinesische Steinriesen beispielsweise, die im 19. Jahrhundert im Zuge des regen Handels mit China nach Thailand kamen. Im Wat ersetzten sie die beschädigten Steinwächter, die dort zuvor gestanden hatten.

Fischmarkt zum Abnehmen

Auf der anderen Seite des großen Flusses Chao Phraya liegt der Wat Arun. Dafür war an diesem Tag auf jeden Fall noch Zeit. Diesmal ließen wir uns nicht auf das Touristenboot schleusen, sondern nahmen die reguläre Fähre, die auch von Einheimischen für klitzekleines Geld genutzt wird.

Spannender, wenn auch müffelnder Nebeneffekt: Auf dem Weg zur Fähre kamen wir durch den Tha Tian Markt. Ein Markt, auf den sich sicher nur selten Touristen verirren. Denn hauptsächlich gab es hier Trockenfisch (oder etwas, das diesem Begriff sehr nahe kommt). Interessant, aber nicht gerade appetitanregend. Und wie es ist, tagein, tagaus in diesem Geruch zu sitzen, mag ich mir gar nicht vorstellen. Da war uns der frische Passionsfrucht-Saft am Ausgang des Marktes doch deutlich lieber.

Wat Arun

Solchermaßen erfrischt, hielten wir es auch noch zwei weitere Stündchen in der glühenden Hitze aus, um den Wat Arun und die danebengelegene Ordinationshalle. Diese Hallen sind Bestandteil fast jeder Tempelanlage und werden unter anderem für Rituale zur Ernennung neuer Mönche und Nonnen genutzt.

Die eigentliche Tempelanlage des Wat Arun ist erstaunlich überschaubar und wird dominiert vom zentralen Prang. Nicht nur von weitem ist dieser Tempel stilistisch ganz anders als der Wat Pho. Wir waren bereits eine kleine Weile auf dem ersten Sockel des Prang und gingen langsam um ihn herum, als uns eine Besonderheit auffiel. All die kleinen Ornamente an seiner Außenseite und auch die Verzierungen auf den Statuen waren aus Porzellanscherben und vereinzelten Muscheln zusammengesetzt! An manchen Stellen wurden gar ganze, wenn auch kleine Untertassen eingesetzt. Verrückt, aber schön.

Bangkok im 20. Jahrhundert

Bevor wir uns an die größte Tempelanlage Bangkoks wagten, den Großen Palast mit dem Wat Phra Kaew, gönnten wir uns sozusagen einen säkularen Tag.

Nach dem Frühstück wanderten wir – denn wenigstens dieses eine Ziel lag für uns fußläufig erreichbar – zum Bangkokian Museum. Dieses kleine und bescheidene Museum besteht aus zwei Häusern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die seit damals kaum verändert wurden. Hier lassen sich anhand von allerlei Besitztümern der alten Eigentümer – ein indischer Arzt und eine thailändische Familie – der Lebensstil einer Periode erahnen, die heute wenig beachtet wird in Bangkok, die aber ziemlich spannend ist. Denn kurz darauf, nach dem Ende des 2. Weltkrieges, fing Bangkok an, sich von einer ländlichen Kleinstadt mit landwirtschaftlich genutzten Flächen und großen Gärten zu der modernen Großstadt zu entwickeln, die es heute ist.

Plastik, Blumen, Plastik

Ein weiterer, langer Fußmarsch brachte uns zum Pak Khlong Blumenmarkt. Obwohl wir uns Zeit ließen, kamen wir wohl etwas früh dort an, denn der große Betrieb blieb noch aus. Immerhin bekamen wir trotzdem einen kleinen Eindruck davon, wie es hier zugehen muss, wenn ganz Bangkok Blumengebinde und -gestecke und Opfergaben für hohe Feiertage oder einfach nur für den täglichen Gebrauch kauft. Denn all die kleinen Haustempel wollen genau so geschmückt werden wie die vielen Tempel und die noch zahlreicheren Buddhastatuen in der Stadt.

Besonders gestaunt haben wir über die Fingerfertigkeit, mit der die komplexen Gebilde in Windeseile zusammengefügt wurden. Aber auch über die Menge an Plastikteilchen und Kunstblumen, die mit verbaut wurden. Das war uns zuvor nämlich gar nicht so aufgefallen, aber viele der kleineren Gebinde und Ketten bestehen inzwischen zu nicht einmal mehr 50 % aus echten Blumen.

Trotzdem, schwerer Blumenduft lag unverkennbar in der Luft und wurde immer intensiver, als säckeweise frische Blumen beziehungsweise deren Köpfe an uns vorbeigetragen wurden.

Eine Khlongfahrt, die ist lustig

Um zu unserem letzten Programmpunkt des Tages zu kommen, mussten wir nun etwas erfinderisch werden. Denn Baan Silapin, das „Künstlerhaus“ Bangkoks, liegt ein wenig abseits des Zentrums im westlichen Teil der Stadt. Immerhin fließt hier ein Khlong, ein Kanal, vorbei. Diese Kanäle dienten jahrhundertelang als Transportwege in der Stadt, auf ihnen fanden schwimmende Märkte statt und natürlich waren sie auch Kanalisation und Wasserversorgung in einem.

Heute sind die meisten Khlongs zugeschüttet und die wenigen verbleibenden sind mehr Touristenattraktion als etwas anderes. Auch die schwimmenden Märkte verdienen diesen Namen nicht mehr. Aber für unseren heutigen Zweck kam uns all das gerade recht. Wir wollten nämlich eins der Langschwanzboote als Taxi zweckentfremden, die normalerweise für viel Geld die Touristen auf einer Rundtour durch die Kanäle schippern.

Als wir die Anlegestelle der Khlong-Boote erreichten, wurde uns zunächst ein wirklich unverschämtes Angebot gemacht. Über 30 € (1.200 Baht) sollten wir für eine Strecke zahlen, die gerade einmal einem Drittel der normalen Rundfahrt entsprach. Nach einigem Hin und Her hatten wir den guten Menschen auf 500 Baht, also etwa 14 € heruntergehandelt. Immer noch recht viel für eine „Taxifahrt“, aber immerhin bekamen wir ja auch noch eine kurze Khlong-Fahrt als Bonus obendrauf. Dafür mussten wir allerdings warten, bis sich weitere Besucher eingefunden hatten, denn nur für uns wäre er für das schmale Geld wohl nicht losgefahren.

Schließlich war es soweit und jetzt hatten wir auch einmal wieder Glück mit diesen Flussfahrten. Denn aus einem uns schleierhaften Grund war unser Langschwanzboot ganz unglaublich langsam unterwegs. Während andere Boote mit ein bis sieben Fahrgästen geradezu an uns vorbeirasten, tuckerten wir gemächlich vor uns hin und hatten so alle Zeit der Welt, das Leben entlang des Khlongs zu beobachten.

Puppentheater

Bei Baan Silapin angekommen, musste unser Bootsführer glatt die drei vollzahlenden Gäste davon abhalten, gleich mit uns auszusteigen. Ich konnte es ihnen aber auch nicht verdenken. Das Künstlerhaus sah auch zu einladend und idyllisch aus, wie das über 200 Jahre alte Haus da am Kanal lag, mit allerlei kleinen Details und Kunstwerken verziert.

Neben einem Café, verschiedenen Kursen und natürlich allerlei schöner Dinge bietet Baan Silapin auch freie Puppentanz-Vorführungen. Jeden Tag um 14:00 erwachen hier von jeweils drei Puppenspielern geführte Puppen zum Leben.

Die Puppenspieler, die im traditionellen Puppenspiel eigentlich „unsichtbar“ sind, interagierten hier mit ihren Puppen (und dem Publikum), was für viele herzliche Lacher sorgte. Daneben waren vor allem das Geschick und die Leichtigkeit bemerkenswert, mit denen die jeweils drei Personen zusammenarbeiteten.

Auf zu einem Highlight Bangkoks

Für unseren letzten Tag in Bangkok hatten wir uns noch einmal Großes vorgenommen. An Wat Phra Kaew und den Großen Palast hatte ich immer noch gute Erinnerungen. Klar, dass die auch bei Jans erstem Bangkok-Besuch nicht fehlen durften.

In guter deutscher Touristenmanier (und entgegen unseres manchmal sehr naiven Vorgehens) waren wir übervorbereitet und einigermaßen vernünftig gekleidet und sogar mit festem Schuhwerk unterwegs. Nur in diesem Tempel reicht es nämlich nicht aus, sich als Frau ein Tuch über die Schultern zu legen. Immerhin scheint die Regel mit den geschlossenen Schuhen inzwischen gelockert worden zu sein – was wir aber sehr gerne vorher erfahren hätten. Das hätte die Temperaturen ein wenig leichter zu ertragen gemacht.

Wat Phra Kaew war, ähnlich wie zuvor Wat Pho, noch voller, als ich es in Erinnerung hatte. Und dabei waren wir extra nicht am Wochenende gekommen. Aber selbst tausend lautstarke Menschen schaffen es nicht, das Erlebnis dieser Tempelanlage zu schmälern.

Wat Phra Kaew

Auch Wat Phra Kaew wird bewacht von mehreren riesenhaften Wächtern, den Yaksha. An jedem Eingang steht ein solches Paar.

Der äußere, überdachte Gang des Tempels wird geziert von kunstvollen Wandmalereien, die das Hindu-Drama Ramakien nacherzählen, in dem Rama seine entführte Ehefrau Sita rettet. Das fügt sich so nahtlos in das gesamte Ambiente, das man sich erst sehr spät fragt, was diese Geschichte aus dem Hinduismus eigentlich in einem buddhistischen Tempel macht. Vielleicht erscheint es so wenig verwunderlich, weil die Darstellung mehr an Thailand als an das antike Indien erinnert.

Bestimmt wird der Tempelbezirk von der Ordinationshalle, in der sich der erstaunlich kleine Smaragdbuddha befindet, das wichtigste Heiligtum des Tempels. Der Name ist ein wenig irreführend, da die Statue aus Jade gefertigt wurde. Er geht wohl auf einen Irrtum desjenigen Mönches zurück, der unter der ursprünglichen Gipsumhüllung des Buddhas grünen Stein hervorblitzen sah.

Ebenso augenfällig wie die Ordinationshalle sind die „drei Spitzen“, die zu drei ganz unterschiedlichen Chedis gehören. Im mittleren, Phra Mondop, werden buddhistische Manuskripte aufbewahrt. Daneben stehen der goldene Phra Si Ratana und der im Khmer-Stil erbaute Prasat Phra Thep Bidon.

Außerhalb dieser drei Chedi befinden sich zahlreiche mystische Figuren, sogenannte Kinaree, aus der Hindu-Buddhistischen Sagenwelt. Und auch verschiedene Hanuman-Darstellungen sind hier zu sehen.

Der Palast

Eine Art Einbahnstraße führt, nachdem man sich ordentlich sattgesehen hat an all den Dächern, Statuen und Verzierungen, zum eigentlichen Palast. Ab hier geht es nur noch in eine Richtung, gen Ausgang. Und da offenbar viele Besucher zu diesem Zeitpunkt ordentlich erschöpft sind, schlendern die meisten auch ziemlich schnurstracks dorthin. Deshalb bietet dieser Teil der Anlage Gelegenheit, sich ein bisschen von den Menschenmassen zu erholen.

Der Palast dient heute nicht mehr als offizieller Wohnsitz des Königs, wird aber noch für feierliche Anlässe und Empfänge von ausländischen Würdenträgen genutzt. Letztere können außerdem stilecht in einem der Gebäude untergebracht werden. Klar, dass keins davon für die Öffentlichkeit betretbar ist. Von außen sind sie aber dennoch schön anzusehen. Besonders Chakri Mahaprasat, die Thronhalle hat es mir auch diesmal angetan. Irgendwie ist dieser Mix aus westlicher Fassade und thailändischem Dach faszinierend anzusehen.

Klassisches Theater

Mit dem Ticket zum Großen Palast darf man zusätzlich einer traditionellen Theateraufführung beiwohnen. Diese finden den ganzen Tag im Sala Chalermkrung Royal Theatre statt. Da wir keine weiteren konkreten Pläne hatten, ließen wir uns gerne von unserer Neugierde leiten.

Das Ganze roch zwar etwas nach Touristenfalle, aber wir wurden tatsächlich sehr positiv überrascht. Auch wenn die Vorführung nur dreißig Minuten dauerte, waren wir beeindruckt von der Hingabe und dem Körpereinsatz, mit dem die Darsteller sicherlich nicht zum ersten Mal an diesem Tag eine Episode aus dem Ramakien darbrachten.

Ganz anders als bei unserem westlichen Theater werden Emotionen und Handlung durch kleinste Bewegungen und wenig Mimik ausgedrückt. Gesprochen wurde auf der Bühne gar nicht. Ein Erzähler führte, begleitet von einem kleinen Orchester mit traditionellen Instrumenten, durch die Geschichte (die für dumme Touristen auch noch einmal auf eine kleine Leinwand projiziert wurde).

Durch ein abwechslungsreiches Bühnenbild, phantastische Kostüme und eine durchaus spannende Handlung fühlten wir uns richtig gut unterhalten und genossen die Aufführung in vollen Zügen. (Ich vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als das Puppentheater vom Vortag, bei Jan war es eher anders herum.)

Amulettmarkt

Ohne große „Must-Sees“ auf der Liste. Blieb uns der restliche Tag, um ein wenig durch Bangkok zu schlendern und die eine oder andere kleinere Entdeckung zu machen. Zunächst stolperten wir in der Nähe des Großen Palastes recht unvermittelt über einen Amulettmarkt.

In Thailand wird generell viel Mystisches akzeptiert und geglaubt, so auch eben die Heil- und Schutzkraft von Amuletten. Diese gibt es auf Amulettmärkten in unzähligen Ausführungen zu kaufen. Auch kleine und große Statuen, sowie allerlei anderer Wunderkram finden sich hier. Sie alle sollen ihren Träger oder Besitzer schützen, Wünsche erfüllen und/oder besondere Kräfte beziehungsweise Eigenschaften verleihen.

Interessanterweise war einigen Verkäufern das Fotografieren ihrer Amulette gar nicht recht (was wir dann natürlich auch ließen). Ob damit die Zauberkraft der Schmuckstücke sinkt?

Die Almosenschalen von Baan Bat

Ein ähnlich traditionelles Handwerk fanden wir in einem winzigen Stadtteil, der wohl früher mal ein Dorf gewesen war. In Baan Bat werden bis heute die Almosenschalen gefertigt, mit denen die buddhistischen Mönche ihre Mahlzeiten erbitten. Buddhistische Mönche und Nonnen dürfen nur sehr wenige Besitztümer haben, von denen die Almosenschale eins ist.

Während es inzwischen günstige, industriell gefertigte Massenware gibt, werden die Schalen hier noch nach alten Handwerksregeln hergestellt. Die ansässigen Familien tun seit Generationen nichts anderes, als Stahlblech und Kupfer händisch zurechtzuschneiden und durch viele, viele Hammerschläge in Form zu bringen.

Wir trafen trotz des fortgeschrittenen Nachmittags noch einige Frauen bei der Arbeit an, sowie zwei Männer, die sehr stolz auf die Zeitungsartikel waren, die vor einigen Jahren über sie erschienen waren. (Und die sie uns einlaminiert präsentierten.)

Ein „goldener“ Hügel

Unweit von Baan Bat erhebt sich der Golden Mount. Dieser künstliche aufgeschüttete Hügel wird von einem goldenen Chedi gekrönt und gehört eigentlich noch zum danebengelegenen Wat Saket. Allerdings ist der „goldene Hügel“ die weitaus größere Touristenattraktion, und zwar eine, die wir uns eigentlich ersparen wollten. Schon die Berichte darüber waren uns zu kitschig erschienen und nach den wundervollen Tempeln der letzten Tage hätte es den hier nicht mehr gebraucht.

Nun waren wir aber in der Nähe und wie es der Zufall wollte, hatten wir früher am Tag ein Eintrittsticket für genau dieses Datum gefunden. Also probierte ich einfach mein Glück und durfte tatsächlich (unkontrolliert) passieren. Auf- und Abstieg über die 318 Stufen waren erwartungsgemäß schrecklich. Viele geschmack- und stillose Statuen, die in künstlichen Nebel getaucht wurden, um besonders mystisch zu wirken.

Auch der Chedi auf der Spitze des Hügels war wenig erhebend. Die Aussicht war allerdings ganz nett. Jan wollte trotzdem nicht mehr hoch. (Das Ticket war ja immer noch nicht entwertet.)

Khao San Road

Nach diesem Touristenklischee durfte ein weiteres eigentlich auch nicht mehr länger fehlen und so schleppte ich Jan noch rasch auf die Khao San Road. Diese Straße ist die klassische Backpacker-Straße Bangkoks und für manche Besucher der Inbegriff der Stadt und das einzige, was sie hier sehen. Günstige Unterkünfte drängen sich neben nicht so günstigen (und trotzdem schlechten) Bars, Restaurants und Massagestudios. Nachts werden entlang der gesamten Straße zusätzliche Souvenir- und Essensstände aufgebaut. Wenn es in Bangkok einen Ort gibt, an dem es frittierte Krabbeltiere und härtere Drogen gibt, dann hier.

Nun ja, es ist halt die Khao San Road. Wirklich begeistert war Jan erwartungsgemäß nicht, was aber auch an der etwas frühen Stunde gelegen haben mag. Die weitaus attraktivere Parallelstraße entdeckten wir leider erst, nachdem wir bereits mäßig gut gegessen hatten.

Auf der anderen Seite muss man die Khao San Road nicht gut finden, um Bangkok zu mögen. Die Stadt hat doch so viel mehr zu bieten! Und sollten wir noch einmal wiederkommen, gäbe es eine Menge Dinge, die wir diesmal nicht getan, angeschaut oder ausprobiert haben.

4 Comments

  1. Da werden Erinnerungen wach. Ich habe in Bangkok nicht sehr viel Zeit verbracht und muss sagen, dass es mir auch zu voll und laut war. Aber eine Khlongfahrt und den großen Palast hatte ich mir auch gegönnt. Schade, ich denke, dass es mit dir als erfahrenen Thailand-Reisenden doch recht interessant gewesen wäre. So ein Theaterbesuch hätte mir sehr gefallen.

    1. Naja, so furchtbar viel konnte ich aus meinen Thailand-Erfahrungen nicht mehr schöpfen. Dafür ist das zu lange her und wir waren auch anders unterwegs. Da war die bisherige Weltreise sicher der bessere Lehrmeister. Inzwischen wissen wir, wie und wo wir nach Dingen suchen können, die uns interessieren (und wie wir herausfinden, wie man dorthin kommt).
      Aber ein paar Orte wusste ich noch, die ich Jan unbedingt zeigen wollte. Manches war so gut wie vor sechs Jahren, anderes halt nicht mehr. Dafür sind dann die beiden Theaterbesuche hinzugekommen, die viel besser als erwartet waren.

  2. Unglaublich diese Tempelanlagen, diese Menge an figürlichen Darstellungen und diese für uns so seltsam anmutenden mystischen Figuren. Die Theatervorstellungen hätte ich ja auch gern einmal gesehen. Warum die Spieler wohl schwarze Masken tragen?

    Avatar Kirsten55
  3. Hallo Mama,
    das mit den schwarzen Masken hat sicherlich den Hintergrund, dass die Puppenspieler “verschwinden” sollen, damit die Zuschauer sich auf die Figuren konzentrieren können. Wir kennen Puppentheater ja meist so, dass die Puppenspieler sich hinter einem Vorhang o.ä. verstecken. Da sich die Spieler in Thailand aber mit den Figuren mitbewegen (und ihnen so einen viel größeren Handlungsraum geben) geht das halt schlecht. Ein bisschen hat mich das an die Vorstellung von “Gefährten” erinnert, die wir zusammen in Berlin gesehen hatten. Da hatten die Puppenspieler zwar keine Masken auf und haben diese lebensgroßen Pferdepuppen bewegt, aber das Grundprinzip war ähnlich.
    Ich fand die Masken übrigens ziemlich ästhetiosch.

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