Es gibt zwei Gründe, warum jeder Backpacker auf seiner Reise durch Malaysia auch den Abstecher auf die Insel Penang macht. Genau genommen gäbe es viele, viele Gründe, um diese Insel an der Westküste zu besuchen. Beispielsweise steht hier der größte buddhistische Tempel Malaysias und es gibt einen recht neuen, aber trotzdem sehenswerten Nationalpark. Aber wenn wir ehrlich sind, sind auch wir ursprünglich nur wegen des Streetfoods und der Streetart hergekommen.

Dass wir große Fans von beidem sind, ist kein Geheimnis. Folgerichtig durfte Georgetown auf unserer Reiseroute nicht fehlen. In einem Land, in dem der Mix der Kulturen solch ein Mit- und Nebeneinander von Religionen, Traditionen und Küchen hervorbrachte, zelebriert Georgetown diese Esskultur ganz besonders. Die Stadt gilt nicht nur als Malaysias Essenshauptstadt, sondern sogar als die von ganz Südostasien.

Klar, dass wir uns dort einmal quer durch die Streetfood-Szene gegessen haben. (Beziehungsweise so weit, wie es uns in zweieinhalb Tagen möglich war, in denen wir ja auch noch ein bisschen was anderes unternommen haben.) Bevor ihr euch jetzt aber auf detaillierte Beschreibungen von allerlei Köstlichkeiten freut: Die gibt es nicht in diesem Artikel. Wir hatten da ja noch eine Aufgabe für Georgetown bekommen. Also bleibt dieser Beitrag hier überschaubar und für den tropfenden Zahn, den knurrenden Magen und ganz viel Futterneid geht es hier weiter.

Streetart

Georgetowns Streetartgeschichte beginnt eigentlich 2010. In diesem Jahr beauftragte die Regionalregierung von Penang das Kunststudio Sculpture at Work damit, comichafte Stahlskulpturen zu kreieren, in denen die Geschichte und das kulturelle Erbe Georgetowns erzählt werden. Von diesen zweidimensionalen Wandskulpturen, die abends extra angeleuchtet werden, gibt es eine ganze Menge. An beinahe jeder zweiten Häuserecke ist uns so ein humoristischer Hinweis auf die Geschichte dieses bestimmten Ortes begegnet. Eine schöne, kreative Art, Stadtgeschichte auf unterhaltsame, unaufdringliche Weise zu erzählen.

2012 dann erschuf der litauische Künstler Ernest Zacharevic für das George Town Festival mehrere Streetart-Werke, die er teilweise mit echten Fahrrädern, Motorrädern, Stühlen oder Basketballkörben kombinierte. Diese Wandgemälde schlugen ein wie eine Bombe. Heute stehen die Besucher vor vielen der schon arg mitgenommenen Bilder Schlange, um Fotos zu machen. Einheimische profitieren von diesen Touristenschlangen, indem sie direkt daneben verschiedenste Snacks, typische Desserts und Souvenirs anbieten.

Genau genommen war die Streetartszene in Georgetown also gerade einmal sieben, maximal neun Jahre alt, als wir dort waren. Jahre, die auch andere Künstler genutzt haben, so dass wir immer wieder an neuen Werken vorbeiliefen – manchmal an Stellen, an denen wir ganz und gar kein Gemälde erwartet hätten. Aber das macht ja auch den Reiz von Streetart aus, nicht wahr?

Von Clans und Stegen

Weder Jan noch ich hätten es furchtbar mühsam gefunden, uns drei Tage nur mit Streetfood und Streetart zu beschäftigen. Gleichzeitig schien uns die Stadt noch so viel mehr zu bieten. Zu allererst einmal ist Georgetown eine sehr attraktive Stadt. Schon auf dem Weg von der Fähre zu unserem Hostel, schwer bepackt und bevor wir auch nur ein Gemälde oder eine Samosa gesehen hatten, fühlten wir uns schon wohl.

Die Straßen sind gesäumt von einer bunten Mischung aus britischen Kolonialbauten, Moscheen, trendigen Cafés und chinesischen Tempeln und Geschäften. Überhaupt die Chinesen… Historisch betrachtet lag die Insel Penang einmal zwischen den britischen Kolonien und dem Rest Asiens. Damit war die Insel von strategischer Bedeutung, insbesondere was den Handel zwischen diesen beiden Welten betrifft. Für einen nicht abreißenden Strom von Immigranten gab es in Georgetown Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts mehr als genug Arbeit.

Die Schiffsanleger der Stadt wurden nach und nach ausgebaut. Stege entstanden und auf diesen wurden alsbald Hütten und Schuppen errichtet. Sieben Stege, von denen heute noch sechs existieren, wuchsen so zu regelrechten Dörfern auf Stelzen heran. Chinesische Immigranten hatten sich in Penang zu sogenannten Clans zusammengefunden und jeder der Stege wurde irgendwann von einem anderen Clan kontrolliert. Zwischen den Clans herrschte allerdings selten Frieden. Man bekriegte und zankte sich wegen allerlei Privilegien und dem Zugang zu den Schiffen.

Die Clan Jetties oder „Clan-Stege“ sind heute Teil des UNESCO Weltkulturerbes und für Besucher frei zugänglich. Da die Clans oder Familien immer noch dort leben – auch wenn die meisten von ihnen mittlerweile in der Stadt beziehungsweise auf der Insel arbeiten – ist ein wenig Diskretion geboten. Mit dem notwendigen Respekt und ein bisschen Neugierde bekommt man aber einen ganz spannenden Eindruck von der Lebensweise der Clans. (Die, da sie nicht an Land wohnen, übrigens bis heute keine Steuern zahlen müssen.)

Höchste Glückseligkeit

Mehr als einen halben Tag streiften wir über die Stege und durch immer weitere Straßen Georgetowns. Dabei entdeckten wir auch das eine oder andere „Clanhaus“. Diese geben ebenfalls lebendiges Zeugnis von dem Einfluss und dem Wohlstand der Chinesen Georgetowns ab. Diese Häuser und dazugehörigen Tempel werden nach wie vor von den Nachfahren der jeweiligen Familien gepflegt und instandgehalten. Einige wurden zu Museen umfunktioniert und können besichtigt werden, wonach uns heute aber nicht war.

Wir orientierten uns lieber noch einmal neu und nahmen kurzentschlossen einen Bus raus aus der Stadt. Wir wollten den bereits erwähnten größten buddhistischen Tempel Malaysias besuchen, den Kek Lok Si Tempel. Nur etwa acht Kilometer westlich vom Stadtzentrum gelegen, brauchten wir trotzdem fast eine Stunde, bis wir dort waren. Der malaysische Stadtverkehr nimmt sich nichts mit dem im Rest von Asien.

Endlich angekommen, waren wir vor allem geplättet von der schieren Größe dieser Tempelanlage. Wir wussten ja, dass Kek Lok Si groß sein sollte, aber so groß?! Der Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, dass das Ganze auf einem Hügel steht und eine gigantischen Statue von Kuan Yin, der Göttin der Barmherzigkeit, darüber thront. Außerdem handelt es sich bei diesem Tempel nicht um ein einzelnes Gebäude, sondern um verschiedene Gebäude und (Park-)Anlagen, die ziemlich verwinkelt und verwoben sind.

Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls von einem chinesischen Immigranten erbaut, wird Kek Lok Si, der „Tempel der höchsten Glückseligkeit“ immer noch erweitert und umgebaut. Mindestens zwei Gebäude waren während unseres Besuches noch im Bau. Genug zu sehen gab es aber so oder so. Und da wir so spät (eigentlich zu spät) dort ankamen – keine anderthalb Stunden vor Toresschluss – war es schon angenehm ruhig und leer.

Regenwald im Kleinformat

Ursprünglich hatten wir gar nicht geplant, noch mehr Zeit außerhalb Georgetowns zu verbringen. Der Inhaber unseres Hostels erwies sich aber als wahre Fundgrube guter Tipps und Sightseeing-Ideen. Da er uns einen Ausflug ins Grüne wärmstens ans Herz gelegt hatte, wollten wir auch diesem Rat folgen (und bereuten es nicht).

Ein weiterer Bus brachte uns am nächsten Vormittag an den nordwestlichen Zipfel Penangs. Diesmal dauerte die Fahrt über eine Stunde, bot aber zwischendurch wenigstens ein paar schöne Blicke auf die Küste.

Der Nationalpark Penangs ist mit 2.300 Hektor nicht nur der kleinste in Malaysia, er ist auch einer der „jüngsten“. Erst 2003 wurde das Gebiet zu einem Nationalpark gemacht. Ein paar Wanderwege führen zu verschiedenen Stränden, darunter ein „Affenstrand“ (Monkey Beach, den wir lieber ausgelassen haben) und einen „Schildkrötenstrand“ (Turtle Beach, wo es eine kleine Schildkröten-Auffangstation gibt).

Eigentlich gibt es im Nationalpark auch einen Baumwipfelpfad. Der ist aber derzeit geschlossen – und auch wenn dort steht, dass er in fünf Jahren aufmacht, glauben wir noch nicht daran. Stattdessen sind wir einfach darunter an einem Flüsschen langgewandert, das mehr oder weniger diesem Baumwipfelpfad folgte. Da von diesem Weg beinahe niemand etwas weiß, waren wir für den Hinweg wieder einmal komplett allein. Allein mit den Gerüchen und Geräuschen des Regenwaldes und allein mit ganz viel Zeit, diese zu genießen.

Ein bisschen Strandluft

Am Turtle Beach angekommen waren wir beinahe froh, dass man hier nicht baden soll, da die Strömung zu stark ist und Quallen mit sich bringt. Wir hatten unsere Badesachen nämlich nicht dabei und wären schon gerne ins Wasser gesprungen, so durchgeschwitzt wie wir waren. So blieb es bei einem Bad bis zu den Knien.

Das Wasser der Meere rund um Malaysia ist aber auch zu verlockend. Ich glaube, ich habe noch nie so weiches Ozeanwasser gefühlt. Und das bei Wassertemperaturen, die einen nicht nach fünf Minuten wieder an Land treiben.

Der Schildkrötenauffangstation statteten wir ebenfalls einen kurzen Besuch ab, waren aber auf den ersten Blick nicht so angetan. Erst die Nachfrage bei einem Mitarbeiter beruhigte uns dann etwas. Denn die Schildkröten, die hier in relativ kleinen, kahlen Tanks vor sich hindümpeln, sind kurz davor, wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Zuvor wurden sie wegen Krankheiten oder Verletzungen behandelt.

Vom Strand hätten wir uns auch mit einem Wassertaxi zurück zum Eingang bringen lassen können, worauf wir aber dankend verzichteten. Lieber noch einmal Dschungelluft schnuppern und Dschungelschweiß schwitzen. So passte abends auch gleich ein bisschen mehr Streetfood in unsere Mägen.

6 Comments

    1. Die Streetartgemälde vor allem von Ernest Zacharevic haben uns auch richtig begeistert. Mein Favorit ist allerdings der kleine Junge, der den (imaginären?) Drachen an der Leine hält. Natürlich waren die meisten seiner Kunstwerke immer dicht belagert und man musste schon etwas warten, bis man auch mal ein Foto machen konnte. Aber daneben gab es eine ganze Reihe Streetart, die eher unbekannt waren und die waren teilweise fast genau so gut.

  1. Die Streetart finde ich auch mega klasse. Sowas sollte es auch viel häufiger hier bei uns geben. Das wäre so toll.
    Und ein sehr schöner bunter Tempel. Die Schindeln sind von den Leute bezahlt/gespendet worden oder wie ist das nochmal?

    Avatar Mina
    1. Ich glaube, wir müssen Dich entweder mal nach Berlin bringen oder in Hamburg auf eine Streetart-Tour nehmen. Ich bin sicher, dass es sowas dort auch gibt. Oder wir organisieren die selbst. 😉
      Wir haben wegen der Dachschindeln nicht nachgefragt, aber haben uns das gleiche gedacht. Wir denken auch, dass das die Namen der Spender (oder für die gespendet wurde) auf den Schindeln sind.

  2. Oh ja, diese Form der streetart ist witzig, interessant und spannend. Die Fotos haben mir so gut gefallen, besonders (zugegeben), die, auf denen ihr euch dazu geschummelt habt ??. Die Fotos aus Georgetown mit den Clan-Stegen und der Bericht dazu haben mir sehr gefallen, das ist doch noch einmal eine ganz andre Welt.

    Avatar Kirsten55
    1. Die Streetart von Zacharevic, bei der er Gemaltes mit echten Gegenständen kombiniert hat, war häufig so konzipiert, dass man sich dazusetzen konnte. Das fanden wir auch toll.
      Und dass es in Georgetown so etwas wie Clan Jetties gibt, wussten wir vorher auch nicht. Das war wirklich spannend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.