Pemuteran: Schöne Unterwasserwelt

Pemuteran: Schöne Unterwasserwelt

Von Bali kannten wir bisher nur den touristischen Süden. Vor zwei Jahren waren wir hier zum Surfen gewesen und hatten es damals nicht bereut, nur Ausflüge innerhalb eines 30 Kilometer-Radius gemacht zu haben. Diesmal aber wollten wir mehr sehen von dieser einzigen hinduistischen Insel im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt.

Bali gilt nicht umsonst als Perle Indonesiens und zieht jedes Jahr Tausende westlicher Touristen an. Doch selbst auf Bali gibt es noch unberührtere Ecken. Einige davon wollten wir jetzt endlich erkunden.

Bali ist ein Paradies für Surfer. Die Strände im Süden sind bekannt für ihre perfekten Wellen und ihre entspannte Surferkultur. Auch wir hatten uns davon schon einnehmen lassen. Doch die wenigsten wissen, dass man auf Bali auch Schnorcheln kann. Natürlich nicht im Süden, wo die Wellen jeden Schnorchelversuch zunichtemachen würden. Doch im Norden soll es ein paar richtig gute Orte fürs Schnorcheln geben. Den besten findet man im Nordwesten der Insel, in der Nähe von Pemuteran.

Wassertempel

Der Norden Balis ist eher untouristisch. Folgerichtig gibt es keine regelmäßigen Busverbindungen von Ubud nach Pemuteran. Einmal täglich soll ein Shuttlebus fahren. Da aber kein anderer Tourist auf die Idee kam, diese Route zu fahren, wurde der kurzerhand abgesagt. Wir waren damit auf einen privaten Fahrer angewiesen. Das war zwar teuer, ermöglichte uns aber wenigstens einen Zwischenstopp, der mit dem Bus nicht möglich gewesen wäre.

Der Pura Ulun Danu Bratan (oder Beratan) ist ein bedeutender hinduistischer Wassertempel aus dem 17. Jahrhundert. Er liegt an, beziehungsweise in einem vulkanischen See im bergigen Zentrum der Insel.

Ausblick

Überhaupt war es faszinierend, auch einmal die bergige Seite Balis zu sehen, nicht nur immer Reisfelder und Strände. Nicht dass die jemals langweilig würden.

Ein Stück hinter dem Wassertempel fuhr unser Auto entlang eines Berggrates, der nicht viel breiter war als die zweispurige Straße. Auf der einen Seite fand noch der eine oder andere Warung Platz, dann fiel das Land auch schon wieder steil bergab.

Rechts hinein ins Grüne, links von uns hinab zu zwei weiteren Seen, den Zwillingseen Danau Buyan und Tamblingan.

Entschleunigung in Pemuteran

Gleich nach unserer Ankunft war klar, dass Pemuteran halten würde, was wir uns versprochen hatten. Es ist ein kleines, ruhiges Örtchen am Meer, in dem es zwar jede Menge Gasthäuser und Surfschulen gibt, in dem man aber trotzdem kaum einem anderen Touristen begegnet. Es gibt (noch) keine hippen Cafés, das Internet ist schlecht und abends kommen einem die Einheimischen auf Fahrrädern und Mopeds entgegen, die dick bepackt sind mit frisch geschnittenem Gras für ihr Vieh.

Wie so viele Ortschaften in Bali erstreckt sich auch Pemuteran entlang einer Hauptstraße, durch die der gesamte Verkehr läuft. Immerhin ist der Ort groß genug, dass von dieser Hauptstraße weitere schmale Wege abgehen. Hier wohnen die Einheimischen und an einer dieser Gassen lag auch unsere Unterkunft.

Morgens wurden wir wahlweise von Hähnen oder Kühen geweckt, abends von Geckos und Hunden in den Schlaf „gesungen“. Ein Gecko hatte sich sogar bei uns im Zimmer eingerichtet. Nachts knarzte er nur ein wenig vor sich hin, aber dann entlud sich seine gesamte akustische Spannung in laute „Gecko, Gecko“-Rufe. Immerhin schien dieser Gecko nachts ebenfalls zu schlafen. Nachdem wir das Licht ausgemacht hatten, war Ruhe. Abgesehen von der armen Kuh, die draußen die ganze Nacht lang muhte. Die war erst am nächsten Morgen still.

Gegessen haben wir im kleinen Warung an der Ecke, in dem es ganz untypisch für Südostasien regelrecht normalgroße Portionen gab. Und danach sind wir auf den kleinen Berg am Ort gelaufen, den Gunung Beratan, von dem man zum Sonnenuntergang einen schönen Blick auf Meer, Vulkane und in die umliegende Landschaft hatte.

Auf dem Heimweg begegnete uns eines Abends ein Mopedfahrer, der an einer der nicht funktionierenden Straßenlaternen anhielt. Wir staunten nicht schlecht, als der Mann diese Laterne wie eine Schreibtischlampe anknipste und weiterfuhr.

Hirschinsel

Ein Stück vor der Küste des Nationalpark Bali Barat liegt Pulau Menjangan, wörtlich übersetzt: „Hirschinsel“. Auf der unbewohnten, 2.000 mal 500 Meter großen Insel leben tatsächlich noch ein paar wenige Java-Hirsche. Ansonsten fühlen sich hier vor allem Vögel und Reptilien wohl, da die Insel keine Süßwasserquellen hat. Bekannt ist Pulau Menjangan aber vor allem als Taucher- und Schnorchelparadies.

Auf eigene Faust kommt man dort natürlich nicht hin, weshalb wir uns eine Tour buchten. Einmal abgesehen von dem sehr zugemüllten Strand, an dem wir zu Mittag aßen, bereuten wir das zu keinem Zeitpunkt. Oh, und wir haben auf Pulau Menjangan keine Hirsche gesehen, aber dafür waren wir ja auch nicht dort.

Unser Augenmerk galt der bemerkenswerten und bunten Unterwasserwelt um die kleine Insel herum. Wir wurden einige Meter vom Ufer abgesetzt und sahen unter uns außer türkisstrahlendem Wasser erst einmal gar nichts. Doch kaum waren wir ein bisschen auf die Insel zugeschwommen, tauchte vor uns plötzlich eine regelrechte Steilwand auf.

Das Korallenriff fällt hier senkrecht ins Meer hinab, was Pulau Menjangan sowohl für Taucher als auch für Schnorchler interessant macht. Während wir uns weitestgehend „oben“ im flachen Gewässer und über den Korallen aufhielten, erkundeten einige Taucher die Welt weiter „unten“. Bei der Gelegenheit entdeckte ich auch gleich, dass es einen Heidenspaß machen kann, durch die Blubberblasen von Tauchern zu schwimmen. Das kitzelt nämlich ein bisschen.

Schnorchelparadies

Von solchen Späßen einmal abgesehen, galt unsere ganze Aufmerksamkeit den Fischen und Korallen. Wieder einmal befanden wir uns an einem Ort, der eine unglaubliche Vielfalt von kleinen und mittelgroßen Fischen bot. Zwischen einigen Anemonen tummelten sich unechte Clownfische und unweit davon grau-gelbe Kofferfische. (Die nach wie vor leider zu den wenigen Fische gehören, die wir unter all den bunten, längs- und quergestreiften, getupften und regenbogenfarben schillernden Gesellen benennen können.)

Wir sahen zum allerersten Mal Langnasen-Nasendoktorfische, die wir, weil wir nicht wussten, wie sie wirklich heißen, „Einhornfische“ tauften. Erst später lasen wir, dass das tatsächlich ihr äußerst passender Beiname ist. Diese Einhornfische werden übrigens richtig groß. Wir sahen Exemplare, die gut und gerne 70 Zentimeter lang waren.

Jan entdeckte in einer Koralle lauernd zwei Feuerfische. Auch dies ein erstes Mal, über das wir uns riesig freuten.

Nicht zum ersten Mal hingegen sah ich im ganz flachen Wasser des Riffs einen ziemlich mächtigen Schwarzspitzenriffhai. Leider war ich zu dem Zeitpunkt gerade allein auf weiter Flur und bis ich Jan gefunden und hergeholt hatte, war der Hai schon weitergeschwommen. Die Begegnung war trotzdem schön und zählte hier, wie einer unserer Guides mir versicherte, zu den besonderen Sichtungen.

Nach insgesamt zwei Stunden im Wasser waren wir einigermaßen „ausgeschnorchelt“ und vor allem sehr, sehr glücklich über das Gesehene. Wir ließen die unruhige Schnellbootfahrt über uns ergehen, während wir die schönsten Sichtungen noch einmal Revue passieren ließen.

Künstliches Riff

Wer im Nordwesten Balis schnorcheln möchte, muss aber nicht unbedingt eine Tour buchen (auch wenn wir unsere auf keinen Fall hätten missen wollen). Direkt am Strand von Pemuteran wartete ein einzigartiges Schnorchelerlebnis auf uns.

Wir hatten den Eindruck, dass noch nicht viele Menschen davon wissen, aber hier befindet sich ein großes künstliches Riff. Es handelt sich um ein Projekt der Biorock-Organisation. Diese hat eine Technologie entwickelt, die die Grundlage für Strukturen bildet, auf denen Korallen angesiedelt werden können. Damit sollen erodierte, sterbende Korallenriffe quasi „aufgeforstet“ werden. Auf den Biorock-Strukturen können Korallen sogar zwei- bis zehnmal so schnell wachsen wie unter natürlich Bedingungen.

Wir waren hier gleich zwei Mal schnorcheln, weil wir so spannend fanden, was dort unter Wasser zu finden war. Große metallene Gerüste, auf denen die verschiedensten Arten von Korallen und Anemonen wachsen, sitzen direkt vor dem Strand von Pemuteran. Die Vielfalt von Fischen, die auf diesen künstlichen Riffen leben, ist ebenfalls wirklich bemerkenswert.

Als wir das erste Mal von den Biorocks hörten, dachten wir, wir würden zwei oder drei relativ gleichförmige Strukturen sehen. Wir hatten beileibe nicht mit Dutzenden von Gerüsten gerechnet, von denen eines kunst- und fantasievoller gestaltet war als das nächste. Riesige Tunnel, mehrere Meter lang, gehörten noch zu den langweiligeren.

Einige Biorocks sahen aus wie Fische oder Delfine. Es gab eine Statue des Hindu-Gottes Ganesha, um den herum mehrere Elefanten standen, sowie einen Buddha. Runde Ausstülpungen, mehrschichtige Gitter, große Schriftzüge, alle möglichen geometrischen Formen tauchten am Meeresgrund unter uns auf. Wahrscheinlich haben wir nicht einmal alle gesehen, denn irgendwann wurde das Wasser einfach zu tief und wir erkannten in der Tiefe immer weniger.

Außerdem sahen wir einen Taucher, der Korallen auf eins der Gitter setzte. Ein Unterwasser-Gärtner sozusagen. Sicher nicht der schlechteste Job der Welt. Und ganz sicher nicht am schlechtesten Ort auf Bali.

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