Ich hatte mir zwei Aktivitäten für unsere Reise durch Malaysia gewünscht, weil ich gelesen hatte, dass man hier beides ganz hervorragend machen könne. Wir waren bereits ein wenig durch Regen- und Mooswälder getrekkt und ich hatte Hoffnung, dass wir das zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal tun würden.

Was wir noch nicht getan hatten war Schnorcheln. Dazu sollte es aber ohnehin die besseren Gelegenheiten an der Ostküste des Landes geben. Beliebtestes Ziel dafür sind die Perhentian Islands. Die etwas kleinere der beiden, Pulau Perhentian Kecil (kecil bedeutet sinnvollerweise „klein“), ist Auto- und Scooter-frei und eher die Backpacker-Insel mit günstigeren Unterkünften. Dabei ist „günstig“ hier relativ. Das Leben beziehungsweise Urlauben auf den Inseln ist deutlich teurer als auf dem Festland. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass natürlich alles per Boot hergefahren werden muss.

Die größere Insel, Pulau Perhantian Besar („groß“), soll das etwas luxuriösere Segment bedienen. Wir haben uns aus Budgetgründen allerdings nur auf Kecil herumgetrieben. Und wenn schon Backpacker-Style, dann auch richtig! Irgendwie schienen uns alle anderen Unterkünfte völlig überteuert oder sie waren schon ausgebucht. So sicherten wir uns schlussendlich eine der günstigsten Schlafstätten der Inseln.

Insel rustikal

Weiße Traumstrände vor dichtem Regenwald. So wurden uns die Perhentians beschrieben. Zu den Stränden gleich mehr, aber das mit dem Regenwald stimmte. Und in diesem Regenwald gab es zwei Campingplatz-Hostels. Das heißt, dass statt Zimmern oder Betten in einem Schlafsaal Zelte vermietet wurden.

Nachdem unsere Knochen die halbstündige, ziemlich unbequeme bumpboat-Fahrt überlebt hatten, wurden wir am Rainforest Beach, also am „Regenwald-Strand“ abgesetzt. Dieser laut früheren Bewertungen schönste Strand beider Inseln war seit letzter Saison offenbar durch einen furchtbar hässlichen Apartmentkomplex verschandelt worden. Na, das konnte ja heiter werden.

Wir schulterten unsere Rucksäcke und marschierten in den Regenwald. Bergauf in den Regenwald. Ganz schön anstrengend mit mehr als 20 Kilogramm auf den Schultern, bei gut 30 °C und jeder Menge blutdürstiger Mücken, die sich von langen Hosen nicht schrecken ließen. Nach zehn bis fünfzehn Minuten war die Tortur vorbei. Von den Mücken einmal abgesehen. Die gab es hier oben natürlich in riesigen Schwärmen. Hier oben gab es aber auch ein paar malaysische Jungs, die uns mit ganz viel Gastfreundschaft und Freude willkommen hießen.

Das Gepäck im überraschend großzügigen Zelt verstaut, konnte das Chillen beginnen. Drei Tage lang taten wir nicht so richtig viel außer Ausschlafen, Yoga machen, Pfannkuchenfrühstück genießen, lesen, Schnorcheln, Insel erkunden. Abends gab es leckeres Gemeinschaftsessen im Camp und viel Zeit, die anderen Gäste kennenzulernen.

Eine bunte Mischung aus aller Herren Länder hatte sich da zusammengefunden. Chilenen, eine Polin, eine Schweizerin, ein spanisch-schottisches Pärchen und die obligatorischen Deutschen (abgesehen von uns selbst). An unserem letzten Abend kamen sogar noch zwei Hauptstadt-Malaysier an. Und selbstverständlich zieht so ein Camp auch ein ganz bestimmtes Klientel an. Abgesehen von den Malaysiern und einem Deutschen waren alle Anwesenden für lange Zeit oder sogar für unbestimmte Zeit auf Reisen und sie alle hatten vorher ihre Jobs gekündigt. Wir befanden uns in hervorragender Gesellschaft.

Es mag einmal ein Paradies gewesen sein

Um den Mücken und der schlimmsten Mittagshitze zu entkommen, verbrachten wir die Zeit zwischen Frühstück und Abendessen am Strand, beim Schnorcheln oder irgendwo dazwischen. Was sehr idyllisch klingt, war für uns leider etwas desillusionierend. Auch vor diesem einstigen Backpacker-Paradies haben die Begleiterscheinungen des boomenden Tourismus nicht Halt gemacht. In den letzten Jahren müssen hier unglaublich viele Resorts aus dem Boden geschossen sein. Bauschutt und mit diesen Arbeiten verbundener Müll lag – neben ganz regulärem Müll – auf allen Wegen, die durch den Wald führten und an allen Stränden, die wir besuchten. Wofür wir die Nationalparkgebühr für das Betreten der Inseln bezahlt hatten, blieb uns ein wenig schleierhaft.

Das Schlimme: Die wenigsten dieser Urlaubsdomizile sahen in irgendeiner Weise einladend aus. Viele wirkten einfach nur siffig und schimmlig. Da hatten wir es mit unserem Camp doch gar nicht so schlecht getroffen. Hier sorgten der Gastgeber und seine Freunde dafür, dass der anfallende Müll vernünftig entsorgt wurde. Und die Matratzen waren zwar dünn, aber nicht verschimmelt.

Unter Wasser ist es so viel schöner

Aber wir waren ja nicht dort, um ewig an Stränden herumzulungern und auf Palmen zu starren. Wir wollten doch unsere Schnorchel endlich wieder in Salzwasser tauchen! Das ist auf den Perhentians erfreulich unkompliziert möglich. Fast an jedem Strand gibt es die Möglichkeit, den Kopf unter Wasser zu stecken, ein paar Meter nach links oder rechts zu schwimmen und ganz faszinierende Fische zu sehen.

Schon in Australien hatten uns all diese verschiedenen, farbenfrohen Fische begeistert. Hier, in wärmeren Gewässern, gab es eine noch größere Bandbreite zu bestaunen. Ganz viele Papageienfische knabberten da an den Korallen und hier und da saßen Anemonen. Jede mit ihrer eigenen Clownfisch-Familie. Sogar ganz kleine Baby-Nemos waren dabei, nicht größer als mein kleiner Fingernagel. Ich konnte mich gar nicht sattsehen.

Ein kleines Stück von den Perhentian Islands entfernt liegt Pulau Rawa. Nicht viel mehr als ein großer, bewachsener, unbewohnter Felsen, soll es vor dieser Insel und ihren Nachbarfelsen noch viel, viel mehr zu erschnorcheln geben. Kurzentschlossen buchten wir uns zusammen mit vier Mitstreitern aus unserem Camp eine Tour dorthin. Auf drei Schnorchelgängen sahen wir neben noch mehr Fischen und einigen schönen Korallen zwei große Schwarzspitzenriffhaie, die uns neugierig, aber in sicherer Entfernung umkreisten, bevor sie wieder ihrer Wege schwammen. Das beste aber waren die vier Napoleonfische, die wie riesige, gemütliche, blaue Unterwasserkühe die Korallen abgrasten und sich nicht im Geringsten an uns störten. Noch nie habe ich in freier Wildbahn solch große Fische gesehen! Der größte von ihnen war gut und gerne 1,20 Meter lang.

Versöhnlicher Abschied

Leider gab unsere GoPro auf dem ersten Schorchelgang ihren Geist auf und weigerte sich fortan, wieder zum Leben zu erwachen. Auch die Speicherkarte ist immer noch bockig, so dass auch dieses Erlebnis „nur“ in unseren Köpfen und Herzen festgehalten ist. Und doch hätten die Fotos ohnehin nur einen kleinen Eindruck davon vermitteln können, wie friedlich und wundervoll es war, mit den Napoleonfischen zu schwimmen. Ich kam jedenfalls völlig geflasht und gleichzeitig zutiefst entspannt und ruhig zurück ins Camp und war in gewisser Weise auch wieder mit den Perhentians ausgesöhnt.

Trotzdem hätten wir nicht viel länger hierbleiben wollen. Genau genommen waren wir nun in der richtigen Stimmung, um Abschied zu nehmen von den Inseln und uns wieder dem Inland zu widmen.

7 Comments

  1. Oh nein, GoPro kurz vor Thailand hinüber!!? Da wird doch sicher Ersatz besorgt, oder? Zelten im Regenwald hätte ein bisschen meine paranoide Seite geweckt, aber es ist immerhin besser als Schimmel. Schade, dass solche Gebiete dann durch noch größere Hotels zerstört werden…

    1. Ehrlich gesagt werden wir die GoPro nicht ersetzen. Unsere Schnorchelausflüge werden also zukünftig nur in unseren Köpfen und in unseren Herzen gespeichert. Nachdem wir meine Kamera schon ersetzen mussten und auch für Jans Kamera Ersatz geholt haben und ich jetzt auch mit Notebook unterwegs bin, sind uns die Ausgaben für weitere Technik einfach zu viel. Und so furchtbar häufig haben wir die GoPro ja nicht genutzt. Es ist einfach ärgerlich, weil sie wohl undicht ist und das innerhalb der Garantiefrist passiert ist. Nur liegt die Rechnung dazu halt auch irgendwo in unserem Lagerraum in Köln…

      Irgendwann müssen wir Dich mal auf so einen Regenwald-Trip oder zum Haischwimmen oder so mitnehmen. Schocktherapie ?

  2. Oh das tut mir auch leid, dass eure Kamera gestreikt hat. Fotos von Napoleonfischen hätten mir schon gefallen. Hoffentlich erholt sich entweder die Kamera, oder ihr bekommt dort Ersatz.

    Avatar Kirsten55
    1. Die GoPro hat’s leider endgültig dahingerafft (beziehungsweise bis wir sie reparieren lassen, was sich hoffentlich noch lohnt). Jetzt ist sie erstmal auf dem Weg zurück nach Deutschland mit all dem anderen unnützen Kram… Ersatz wird es wohl erstmal nicht geben. Das Geld sparen wir jetzt lieber so furchtbar häufig hatten wir sie ja ohnehin nicht genutzt.

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