Wie zu erwarten war, hatten wir viel zu wenig Zeit, um Kambodscha so zu erkunden, wie wir das gerne getan hätten. Land und Leute hatten es uns angetan und am liebsten wären wir noch viel länger geblieben. Gleichzeitig freuten wir uns darauf, das nächste Land kennenzulernen. In Laos waren wir beide noch nie gewesen und wir hatten nur Gutes darüber gehört. Auf nach Don Det, einer von 4000 Inseln im laotischen Mekong.

Laos steckt touristisch noch in den Kinderschuhen und zieht – auch mangels einer Riesensehenswürdigkeit wie Angkor – mehr Backpacker als Pauschaltouristen an. Die Infrastruktur in Laos ist gewöhnungsbedürftig (und erfordert sehr viel Geduld), Unterkünfte sind noch einfacher als in anderen südostasiatischen Ländern (mit Ausnahme von Myanmar vielleicht, ohne es selbst gesehen zu haben) und mit Englisch kommt man an den meisten Orten nur mäßig weit. Gleichzeitig ist dieses Land, das komplett von Land umschlossen ist, noch ursprünglicher, noch authentischer als es seine Nachbarn sind.

Doch zuerst einmal mussten wir hinein in dieses Kleinod von einem Land. Der nächste Grenzübergang stand uns bevor und diesen konnten wir nicht mittels eines e-Visums, wie bei der Einreise nach Kambodscha, vereinfachen. Am Ende war es allerdings nur halb so schlimm. Dank der sich in vollem Schwung (oder eben auch nicht) befindlichen Nebensaison herrschte am einzigen Grenzübergang zwischen Laos und Kambodscha tote Hose. Da wirkten die beiden imposanten Prachtbauten, die sich da über das Niemandsland hinweg anschauten, noch deplatzierter. Bezeichnenderweise lief außer uns nur noch eine kleine Kuhherde über die Grenze. Ob die wohl auch einen Ausreisestempel bekommen hatten?

Vermutlich nicht, denn für diese muss man – genau wie für die Einreisestempel – 2 US$ Servicegebühr zahlen und Kühe haben ja eher selten Bargeld dabei. Systematisierte Bestechung nenne ich diese Gebühr, aber Jan verbot mir, deshalb einen Aufstand zu machen. Er hatte wahrscheinlich recht damit, dass man sich in gewissen Ländern einfach damit abfinden muss. Gewurmt hat es mich trotzdem. Und Jan auch, der hat nur auf See schon ganz andere Dimensionen gesehen.

Viele, viele, 4000 Inseln

Nach diesen überstandenen Unannehmlichkeiten (und viel Sitzfleisch, weil natürlich kein Bus auf der anderen Seite der Grenze auf uns wartete und wir wieder nicht einsahen, warum wir für den Weitertransport ein zweites Mal zahlen sollten), waren wir aber im Lande und auf dem Weg zum nächsten Inselparadies.

Die „4.000 Inseln“, auf Laotisch Si Phan Don, sind ein Archipel im Mekong, ganz im Süden von Laos. Von der Grenze war es nur noch ein Katzensprung dorthin. 4.000 Inseln, das ist natürlich eine fiktive Zahl, die aber zumindest während der Trockenzeit nicht fern der Wahrheit sein kann. Dann, wenn der Mekong Niedrigwasser führt, tauchen überall kleine Sandbänke und grasbewachsene Flecken aus dem Fluss auf. Das braune, nährstoffreiche Wasser des Mekongs fließt trügerisch ruhig um kleine und größere Inseln, von denen nur wenige bewohnt sind.

Auf den drei Hauptinseln Don Khong, Don Det und Don Khon gibt es auch bereits eine gewisse touristische Infrastruktur, wobei Don Det die meisten Hostels, Resorts und Bars hat. Der Einfachheit halber hatten wir uns trotzdem für eine Unterkunft auf dieser Insel entschieden. Außerdem war uns von Jans Schwester Luise von Don Khon abgeraten worden war, das noch immer versucht, seine Kiffervergangenheit abzuschütteln.

Auf Don Det

Wir kamen ein ganzes Stück südlich des touristischen Kerns von Don Det unter, in der Nähe der alten Verladerampe. Dort betreibt ein Deutscher mit seiner laotischen Frau ein wunderbar gelegenes kleines Resort – wobei ein „Resort“ laotischen Standards ein ganzes Stück simpler gehalten ist als andernorts. Uns passte das ganz hervorragend. Wo sonst wacht man morgens mit Blick auf den im Sonnenaufgang rot leuchtenden Mekong auf, sieht abends Wasserbüffel aufs Grundstück wandern, hört nachts die Hühner unter der Hütte gackern und findet über dem Waschbecken den größten Gecko, den wir je gesehen haben? Angesichts dieser tiefenentspannten Atmosphäre hatten wir auch absolut kein schlechtes Gewissen, den halben Tag in der Hängematte zu faulenzen.

Die andere Hälfte des Tages nutzten wir abermals, um ein wenig die Insel und ihre Schwesterinsel Don Khon zu erkunden. Letzteres versuchten wir mit Leihrädern, die wir uns beim Nachbarn organisierten. Diese waren aber so runtergerockt, dass wir nach zwei Stunden aufgaben und umdrehten. Lieber chillten wir noch ein wenig in der Hängematte und sahen dem Mekong beim Fließen zu.

Wildwasserpaddeln auf dem Mekong

Natürlich zogen wir dieses Hängemattenleben nicht drei Tage am Stück durch. Wer unseren Reiseberichten gefolgt ist, der weiß, dass wir das nicht lange aushalten, ohne zumindest irgendeine Form von Aktivität einzubauen. Auf Si Phan Don wollten wir die in Kambodscha ausgefallene Kajaktour nachholen.

Früh morgens ging es sehr entspannt los. Wir bekamen ein leider ziemlich dürftiges Frühstück und durften uns dann die am wenigsten zersplitterten Paddel aussuchen. In mehrfach geflickten Kajaks machten wir uns auf den Weg stromabwärts. Bald war auch klar, warum unsere Gefährte so aussahen, wie sie aussahen. Wir mussten uns nämlich durch einige ziemlich flache Stromschnellen manövrieren, bei denen ich mehr als froh war, dass Jan ein bisschen Paddelerfahrung mitbrachte und uns heil hindurchsteuern konnte.

Nach nur einer halben Stunde hieß es auch schon „Aussteigen!“. Offenbar war diese Tour auf Menschen ausgelegt, denen kurze Kajakstrecken völlig ausreichten. Schade eigentlich. Auf der anderen Seite kamen wir so zu einem sehr malerischen Wasserfall.

Die zweite Kajakrunde dauerte nicht viel länger, brachte uns aber bis an die kambodschanische Grenze. In der Tourbeschreibung hieß es, es seien keine Visa erforderlich. Deshalb machten wir uns wenig Kopf darüber, wie einfach man offenbar ins Nachbarland gelangen könnte. Angesichts all der kleinen Inselchen und der etwas verwirrenden Grenzmarkierungen sind wir uns allerdings nicht sicher, ob wir nicht doch noch einmal kurz drüben in Kambodscha waren.

Die letzten Irawadidelfine

Ein weiterer Landgang schloss sich an, um in ein Motorboot umzusteigen. Dieses sollte uns nämlich zu den letzten in Laos verbliebenen Irawadidelfinen bringen. Jan und ich waren von diesem Teil der Tour wenig begeistert, glauben aber auch, dass er ohnehin bald ganz gestrichen werden muss. Denn der Bau eines riesigen Staudamms hat alle bis auf jene drei letzten Tiere in die Flucht getrieben und wer weiß, wie lange diese es noch in Laos aushalten werden. Ein düsterer Vorbote von dem, was den Delfinen möglicherweise in Kambodscha blüht.

Das während der Fahrt gegrillte Mittagessen (offenes Feuer auf einem Holzboot – in Deutschland undenkbar!) nahmen wir mit Blick auf die Irawadidelfine ein. Wir waren froh, dass zumindest unser Boot sich anschließend nicht mehr zu lange in deren Nähe aufhielt. Außerdem gab es ja noch einen letzten Tagesordnungspunkt und der war sicherlich der Höhepunkt unseres Ausflugs.

Khone Phapheng: Der größte Wasserfall

Im Gebiet der 4.000 Inseln befinden sich nämlich auch die nach Volumen größten Wasserfälle Südostasiens, die Khone Phapheng Falls. Trotz dieses Superlativs hatten wir ehrlicherweise nicht all zu viel erwartet und staunten nicht schlecht, als wir schon vom ein paar hundert Meter entfernt liegenden Parkplatz das Wasser rauschen hören konnten. Als wir dann direkt davor standen, wussten wir auch, weshalb dieser Wasserfall so viel Lärm macht. Das hier war mit Sicherheit der größte und einer der schönsten Wasserfälle, die wir bisher gesehen haben.

6 Comments

  1. Von den Fotos her ist es mal wieder ein Artikel, der absolutes Fernweh macht (wenn ich nicht gerade faul auf einem Bett in Schottland liegen und den leckersten Pie meines Lebens verdauen würde). Besonders Marias Yoga-Bild auf der Schaukel ist natürlich künstlerisch sehr wertvoll!

    1. Das ist das Ziel, das wir mit jedem Bild anstreben: Künstlerischen Wert! 😉
      Ja, Schottland klingt wirklich toll. Und bei solchen Pies, müssen wir wohl doch eher früher als später dorthin. (Oder Du bringst einfach das Rezept und ein paar gute Fotos für einen schönen “Diaabend” mit…)

    1. Hallo liebe Oma,
      ja, der Mekong hat es uns wirklich angetan. Ein wunderbarer Fluss, der da so durch Asien mäandert und Lebensgrundlage von tausenden Menschen ist. Wie schön, dass Dir unsere Bilder so gut gefallen haben. Darüber freuen wir uns riesig!

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