Uyuni: ab in die Salzwüste!

Uyuni: ab in die Salzwüste!

Von etwas, das uns nicht so vom Hocker gerissen hatte, sollte es nun zu etwas gehen, von dem wir schon viel gehört und gesehen hatten: In die Salzwüste von Uyuni.

Wieder auf uns allein gestellt, wurden wir um fünf Uhr früh irgendwo in dieser kleinen Stadt aus dem Nachtbus geschmissen. (Was so überstürzt geschah, dass ich prompt mein geliebtes Reisekissen im Bus vergaß – nach meinen Trekkingsocken bereits der zweite Verlust innerhalb von 24 Stunden… Ich muss beim Packen wirklich besser aufpassen.) Der erste Eindruck dieser Stadt? Bitterkalt! Sogar so kalt, dass es schneite! Irgendwie hatten wir nicht damit gerechnet. So eine Wüstenstadt soll doch eigentlich warm sein. Schon wieder hatten wir den Höhenfaktor außer Acht gelassen. Nimm noch etwas Klimawandel hinzu und schon schneit es auch an Orten und zu Zeiten, an bzw. zu denen das eigentlich nicht passieren soll.

Trostloses Uyuni

Nachdem wir uns aus den Fänger diverser Touranbieter befreit hatten, die auch schon zu dieser nachtschlafenden Zeit bereitstanden, um schlaftrunkene Touristen anzugraben, wanderten wir durch gottverlassene Straßen zu unserem Hostel.

Auch, als es später heller und ein klitzekleines bisschen wärmer wurde (der Schnee schmolz nun zu großen Seen, die uns dazu zwangen, immer wieder die Straßenseite zu wechseln), änderte sich an diesem Bild nicht viel. Wenn Uyuni eins ist, dann trostlos. Da helfen auch die ausgedienten Lokomotiven und Draisinen nicht, die dekorativ auf den Mittelstreifen gestellt wurden.

Uyuni wurde während des sogenannten Salpeterkrieges Ende des 19. Jahrhunderts als Garnisonsstadt gegründet. Später muss der gigantische Salzsee mit seinen Mineralien dazu beigetragen haben, dass Uyuni weiterexistierte. Heute lebt die Stadt vornehmlich von Tourismus und eben jenen Mineralien und Metallen. Dabei versprüht sie immer noch den Charme einer Geisterstadt im Wilden Westen, nur ohne die dekorativen Saloontüren. Trotzdem fragt man sich, warum es Menschen in dieser ungastlichen und verflucht kalten Umgebung aushalten.

Gut genutzte Auszeit

Wir jedenfalls hatten in einem Anfall von Optimismus ganze zwei Nächte hier gebucht. Denn nachdem wir die obligatorische Dreitagestour für den übernächsten Morgen gebucht hatten, hatten wir nun keine Ahnung, was wir hier so lange anstellen sollten. Selbst der Markt gab außer ein bisschen Gemüse und einer sehr unfreundlichen Pastaverkäuferin nicht viel her.

Wie gut, dass unser Hostel warm und mit gutem Internet gesegnet war! Also verbrachten wir einen ganzen Tag mit Ausschlafen, Frühstücken, Duschen (heißes Wasser, welch göttlicher Segen!), dem Sortieren von Fotos, dem Schreiben von Blogeinträgen und generell allen möglichen Kleinigkeiten wie Flugbuchungen und der Pflege von echten und virtuellen Freundschaften. So viele Dinge, die sonst immer liegen bleiben. Ob ihr es glauben mögt oder nicht: Reisen kann ganz schön viel Arbeit sein. Da ist so ein vermeintlich „fauler“ Tag Gold wert.

Zugfriedhof

Auch wenn der erste Eindruck das kaum vermuten lässt: Die Gegend um Uyuni ist ziemlich geschichtsträchtig. So wurde 1872 die erste Eisenbahnstrecke Boliviens errichtet. Sie diente dem Transport der in den reichen Minen im Landesinneren abgebauten Mineralien, Metalle und Edelmetalle zur Küste. (Noch hatte Bolivien seinen eigenen Küstenzugang. Daran, dass sie den heute schmerzlich vermissen, sind sie irgendwie auch selbst schuld – siehe dazu noch einmal den Salpeterkrieg.)

In Uyuni entstand damals ein wichtiger Knotenpunkt. Nur wenige Jahrzehnte später brach jedoch die Minenwirtschaft Boliviens zusammen: Minen wurden weniger ertragreich und weltweit fielen die mt Erzen und Mineralien erzielten Preise. Nun wurden auch die Eisenbahntrassen nicht mehr gebraucht und die Lokomotiven und Züge wurden ihrem Schicksal überlassen.

Dort, wo diese Loks ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, begann unsere dreitägige Tour durch die Salzwüste und den Eduardo Avaroa Nationalpark. Denn drei Tage nur durch Salz kurven, das wäre tatsächlich ein bisschen viel. Daher darf man auf dieser Tour noch viele, viele andere Wunder der Natur bestaunen.

Salzabbau zum Anfassen

Um uns auf die Salzwüste einzustimmen, ging es nun zunächst in ein kleines Salzmuseum. Hier brachte uns unser Guide Israel (ein cooler Typ mit ganz viel Herzblut und Begeisterung, aber mehr dazu später) den Prozess der Salzgewinnung und -verarbeitung näher.

Die Salzwüste bei Uyuni ist sage und schreibe mehr als 10.000 km² groß und damit die größte Salzpfanne der Welt. Die Salzkruste soll zwischen 2 und 500 Meter dick sein. Hier gehen jetzt ein bisschen die Aussagen unserer oberflächlichen Internetrecherche auseinander. Obige Zahlen stammen von Israel und der sollte es ja eigentlich wissen. Immerhin hat er Geologie studiert, was uns zu vielen interessanten Fakten verhalf.

Aus dieser Salzkruste werden dicke Brocken herausgeschnitten, die grob zerkleinert werden und zuerst an der Sonne, später über Feuer getrocknet werden. Anschließend wird das Salz mit Jod versetzt und gemahlen. Nun kann es abgefüllt und verschifft werden. Und all das (mit Ausnahme des Verschiffens, denke ich) ist pure Handarbeit! Wir durften sogar unsere eigenen kleinen Salzbeutel abfüllen und mitnehmen. (Unserer ist gerade auf dem Postweg nach Deutschland. Mal sehen, was der Zoll dazu sagt…)

Übrigens: Das, was auf den Fotos aussieht wie weißes Schichtnougat (naja, nicht ganz), das sind die Salzblöcke. Die Schichtung entsteht, ähnlich wie die Ringe eines Baumes, im Laufe der Jahre, wenn sich eine Salzschicht auf der nächsten ablagert. Die unterschiedliche Färbung entsteht durch unterschiedliche Zusammensetzung der beigemischten Mineralien. Aber am Ende wird alles weiß.

Die Blöcke können aber auch zum Häuserbau verwendet werden, so kompakt sind sie! Tatsächlich wurde so der Großteil des kleinen Dorfes Colchani, in welchem das Salzmuseum steht und wo das Salz heute noch immer so geerntet und verarbeitet wird, gebaut.

Und der große Kristall, den Israel „beschwört“? Das ist ein Salzkristall. Der liegt eigentlich anders herum in der Erde und wurde hier als Anschauungsobjekt „gerade gerückt“.

Spiel mit der Perspektive

Bevor wir uns noch weiter in die Salzwüste begaben und dort den „Perspektivbildern“ frönten, welche ein Highlight jeder Salzwüstentour sind, wurden wir auf einen etwas sinnfreien Abstecher zu einem ehemaligen Salzhotel gebracht. Aus ökologischen Gründen wird das Gebäude heute nur noch als Ausstellungsraum gebraucht. Aber offenbar verläuft hier auch hin und wieder die Route der Rallye Dakar. Davon zeugen heute noch ein Denkmal und mehrere Skulpturen.Da es den Rest der Zeit sonst langweilig wird, haben findige Menschen daneben noch einen Flaggenwald aufgebaut. Sogar eine deutsche Flagge war dabei, auch wenn wir nicht an sie herangekommen sind.

Nun aber auf in die weite, weiße Wüste! Mit unserer aus fünf Jeeps bestehenden Gruppe (wobei ein Guide immer nur für maximal zwei Fahrzeuge und damit höchstens elf Personen verantwortlich war) fuhren wir scheinbar willkürlich in die Salzebene hinein. Ein Rätsel, wie die Fahrer wissen, wo sie langfahren dürfen, wenn doch alles irgendwie gleich aussieht.

Schließlich hielten wir an einem Fleck, wo uns keine anderen Gruppen im Weg waren. Hier durften wir uns dann mit der Kamera austoben und diese berühmten Perspektivbilder machen, die nur dort richtig gut funktionieren, wo es weder Vorder- noch Hintergrund gibt und der Boden gleichmäßig eben und homogen ist.

(Praxistipp: Mit der Kamera eines Smartphones gelingen diese Bilder tatsächlich am einfachsten und besten, weil diese von Haus aus eine große Tiefenschärfe hat. Außerdem muss die Kameralinse möglichst nahe am Boden sein. Der Rest ist dann das korrekte Positionieren der am Foto beteiligten Personen.)

Kakteen, übermannshoch

Den Abschluss dieses ersten Tages bildete ein kurzer Spaziergang auf die Isla del Pescado, also die „Fischinsel“. (So benannt nach ihrer Form, die von der Seite gesehen einem Fisch ähneln soll. Das haben wir so zwar nicht gesehen, aber vielleicht fehlte uns auch einfach die Phantasie.)

Diese Felsformation inmitten der Salzwüste mag früher, als Wüste noch See war, tatsächlich eine Insel gewesen sein. Heute erhebt sie sich halt knapp 170 Meter aus dem Salz und ist neben der Isla Incahuasi bekannt für die riesigen Kakteen, die auf ihr wachsen.

Die Säulenkakteen können bis zu 1.200 Jahre alt werden und werden, ähnlich wie der Mensch auch, mit zunehmendem Alter weißer. Sie sind außerdem unglaublich groß – bis zu 13 Meter sollen es sein. Wir haben nicht nachgemessen, aber es erscheint uns doch glaubhaft angesichts dieser pflanzlichen Hünen.

Hier sahen wir auch die Sonne hinter den Bergen verschwinden. Und auch, wenn der Sonnenuntergang selbst recht unspektakulär war, so waren doch die Farben, in die sich der Himmel danach kleidete, das genaue Gegenteil.

Sternegucken

Wer gedachte hatte, dass dieser mit Fotogelegenheiten vollgestopfte Tag nun bereits zu Ende war, der irrt! Nach dem Abendessen in einem erstaunlich komfortablen Hostel (es war jedenfalls weniger „basic“, als wir befürchtet hatten) ging es noch einmal hinaus zum Sternegucken.

Dank unserer ebenfalls fotografiebegeisterten Guides konnte Jan seine Astrofotografiekenntnisse verfeinern und diesmal erlag auch ich dem Reiz der Sterne. Trotz abfrierender Finger gelang es mir schließlich sogar, Mars aufs Foto zu bannen. Leider muss ich an dieser Stelle zugeben, dass die Spiegelreflexkamera von Jan einfach besser für so etwas geeignet ist und viel mehr Details erfasst. Die Milchstraße sieht auf seinen Bildern jedenfalls viel beeindruckender und magischer aus.

Lecker Körnchen

Auch der zweite Tag sollte mit einer kleinen Lehrstunde beginnen. Diesmal ging es um den Anbau und die Ernte von Quinoa. Die Salzwüste sollten wir jetzt hinter uns lassen und demzufolge kamen wir auch wieder an bewohnten und vor allem bewirtschafteten Gebieten vorbei.

Dass Quinoa hier immer noch von Hand geerntet und verarbeitet wird, war mir gar nicht klar. Es erscheint aber irgendwie logisch, wenn man bedenkt, wie abgelegen und karg diese Gegend ist. Auch die letzte Maschine zum Herausschütteln der Quinoakörner (Marke Eigenbau) erlag vor einigen Jahren der Witterung.

Was ich ebenfalls nicht wusste war, in wie vielen verschiedenen Farben es Quinoa gibt. Besonders angetan hatten es mir eine rosa und eine fast schon violette Sorte.

Leider ist dieses Pseudogetreide für die lokale Bevölkerung meist zu teuer, weshalb sie den paradoxerweise günstigeren, importierten Reis bevorzugen, während der Quinoa Richtung Nordamerika und Europa exportiert wird. Das sind dann die Kehrseiten der Globalisierung.

Skurrile Felsen und aktive Vulkane

Auf dem Weg zum Eduardo Avaroa Nationalpark war der weitere Tag nicht von Salz geprägt, sondern von den verrücktesten Steinformationen in dieser zunehmend mehr nach „regulärer“ Wüste aussehenden Landschaft.

Teilweise sehen diese Steine aus, als wären sie dahingewürfelt. Woanders schien sich ein verrückter Steinmetz ausgetobt zu haben. Folgerichtig wird ein Abschnitt dieser Wüste auch „Dalí desert“ genannt.

Im Hintergrund dieser Szenerie thronten zunehmen mehr Berge. Bei einigen von ihnen handelt es sich gar um noch aktive Vulkane. Der Ollague qualmt sogar noch ein bisschen vor sich hin.

Flora und Fauna

Doch nicht alles hier ist Stein und Sand. Eine Pflanze, die beinahe aussieht, als wäre sie selbst ein moosbewachsener Felsen, gedeiht ganz hervorragend. Die Llareta oder Yareta hat sogar verschiedene medizinisch relevante Eigenschaften und duftet nach Zitronenmelisse, wenn man sie „streichelt“. Sie wächst gerade mal zwei Millimeter pro Jahr und reagiert extrem empfindlich auf schädliche Umwelteinflüsse. In Chile ist sie daher besonders geschützt und man darf sich diesen Pflanzen nicht einmal nähern. Bolivien ist da laxer und behandelt die Llareta nicht anders als andere Wüstenpflanzen auch.

Wenn einen die Natur etwas lehrt dann, dass in jeder noch so unwirtlichen Umgebung Leben gedeiht. Im Vergleich zu vielen anderen Orten erschien mir diese Wüste da noch geradezu wie ein fruchtbares Paradies. So zumindest kam es mir vor, als uns zunehmend häufiger Vicuñas begegneten. Diese wunderbaren, scheuen, zarten Geschöpfe finden auch in dieser Höhe und bei dieser Trockenheit offenbar genug zu fressen.

Selbst Nandus, Füchse und Viscachas soll es hier geben. Von denen haben wir allerdings nichts gesehen, bekamen aber später glaubhafte Berichte anderer Reisenden, die sie mit eigenen Augen erspäht hatten.

Pinke Wunder

Die Tiere, auf die an diesem zweiten Tag aber jeder hinfieberte, warteten noch auf uns: Im Nationalpark nisten und leben nämlich gleich drei verschiedene Flamingoarten. Noch so ein Beispiel für die Anpassungsgabe und den Ideenreichtum der Natur. Gehören Flamingos nicht eigentlich in tropisches Klima und sind sie nicht eigentlich furchtbar empfindlich? Selbst auf den Galápagos-Inseln hatten wir schließlich nur drei Exemplare gesehen.

Tja, diese Flamingos hier sind aus anderem Holz geschnitzt und haben sich die hiesigen Lagunen als Heimatstatt ausgesucht. Vor allem die Stinky Lagoon, also die Stinkende Lagune, hat es ihnen angetan. Mag ja sein, dass diese immer wieder zufrieren, aber irgendwas muss da im Wasser sein, was ihnen besonders gut schmeckt. So gut, dass sie sogar riskieren, ihre Küken zu verlieren, wenn das Klima verrückt spielt und Sommer und Winter zu unüblichen Zeiten kommen.

Noch aber gibt es sie hier und uns bot sich das Spektakel hunderter Flamingos, die in den Lagunen nach Nahrung suchten, schnatterten und darüber hinweg flogen. Und immer im Hintergrund: Die imposanten, schneebedeckten Berge die diese Hochebene im Grenzgebiet von Bolivien und Chile einfassen.

Rotes Wunder

Bei so viel Farbe kann die Natur ruhig noch eins drauf setzen: Die Laguna Colorado war unser nächstes Ziel. So etwas hatten wir noch nicht gesehen und es vorher auch nicht für möglich gehalten! Eine Lagune, in der sich durch die gelösten Mineralien rot-violettes Wasser befindet, welches eine harte Grenze zum tiefblauen Wasser bildet. Darin Inseln aus weißem Borax. (Richtig gelesen: weder Salz noch Eis, sondern noch eins dieser sehr nützlichen Mineralien. Wie gut, dass das Gebiet unter Schutz steht.) Am Ufer das gold-gelbe Wüstengras. Dahinter wieder die weißen Berge. Eine Symphonie von Farben.

Geysire

Gefühlt hatten wir an keinem unserer Stopps an diesem Tag ausreichend Zeit, um sie so zu genießen, wie es die Landschaft verdient hätte. Trotzdem wurde es bereits dunkel, als wir uns auf den Weg zu unserer letzten Station machten: Den Geysiren von Sol de Mañana, also der „Sonne des Morgens“. Diese liegen auf fast 5.000 Meter und wenn dann sogar die Sonne weg ist, wird es dort oben verdammt kalt.

Trotzdem war es ein besonderes Erlebnis, im Schein der Taschenlampen durch ein Feld von blubbernden und dampfenden Löchern zu laufen. Nur nicht daneben treten, denn 170 °C heißer Schlamm ist wenig angenehm! Ein wirkliches Endzeitszenario, in dem wir uns da befanden. (Vergesst nicht, dass über all dem noch dieser typisch schweflige Geruch hing.)

Sternegucken einmal anders

Ordentlich durchgefroren standen wir nach dem Abendessen vor einem Dilemma. Wir konnten entweder die nahegelegenen heißen Quellen besuchen oder uns den Weg dorthin sparen und direkt ins Bett gehen, um irgendwie wieder warm zu werden. Auf die drei Minuten Fußweg zu den Quellen hatte so richtig niemand Lust. Noch weniger darauf, sich dort umzuziehen. Und ganz sicher nicht auf den Rückweg, vor dem wir alle ordentlich Respekt hatten. Immerhin waren die Temperaturen inzwischen unter den Gefrierpunkt gesunken!

Trotzdem: Dass wir am Abend und nicht am nächsten Morgen an den heißen Quellen sein würden, war der Hauptgrund, weshalb wir uns für diesen Touranbieter entschieden hatten. Also Augen zu und durch. Tatsächlich war es am Ende gar nicht so schlimm wie gedacht. Der Hinweg war ja wirklich nur drei Minuten lang und als Belohnung wartete 38 °C warmes Wasser auf uns. Über uns wieder dieser unglaubliche Sternenhimmel. Kein Wunder, dass wir es über drei Stunden in der Quelle aushielten.

Dazu beigetragen hatte aber auch Israel, den ich endlich dazu bringen konnte, uns mehr von Indio zu erzählen, einem von ihm vergötterten Musiker, der nicht nur in seinem Heimatland Argentinien wie ein Held gefeiert wird. Tatsächlich war das, was Israel uns von ihm vorspielte, wirklich hörenswert. Wenn wir jetzt nur die Texte verstehen könnten! Genauso schön war die Begeisterung, mit der Israel uns von seinem Idol erzählte und von seinen Trips zu diversen Konzerten, inkl. schwieriger Grenzübergänge und drogenumnebelter Taxifahrer.

Wir hatten jedenfalls viel zu staunen und zu lachen. So viel, dass ich darüber ganz vergaß, nach Sternschnuppen Ausschau zu halten. Glücklicherweise erhaschte ich noch eine ganz kleine, kurz bevor wir dann schließlich doch das Wasser verließen.

Da wir so durchgewärmt waren (gar gekocht würden andere sagen) war die eiskalte Luft seltsamerweise gar nicht so schlimm. Trotz Minusgraden ließen wir uns lufttrocknen, bevor es zurück in die Unterkunft und ins schützende Bett ging. Während unsere Badeklamotten im Zimmer gefroren, schlummerten wir trotz durchgelegener Matratzen wie Babys.

Grün ist anders

Nach zwei mit so vielen, so unterschiedlichen Eindrücken gefüllten Tagen konnte der dritte Tag eigentlich nur enttäuschen. Außerdem war dieser Tag ganz der Rückfahrt nach Uyuni gewidmet (immerhin sieben Stunden im Jeep mit nur kurzen Unterbrechungen, um die Beine auszustrecken).

Am Morgen besuchten wir zwar die Laguna Verde, also die „grüne Lagune“, von dieser wussten wir aber bereits, dass die Wetterkonditionen nicht die richtigen waren, um den scheinbar magischen Farbwechsel von Blau zu Grün zu sehen. So lag sie zwar auch sehr schön, aber eben nicht spektakulär und vor allem zu großen Teilen weiß vor uns. Dahinter erhob sich der Vulkan Licancahur, hinter dem dann bereits Chile beginnt.

Hier verabschiedeten wir uns deshalb auch von den Mitreisenden, die den Grenzübergang nach Chile wagen wollten, und machten uns nur zusammen mit einem französisch-italienischen Pärchen und unserem Guide auf den Rückweg in „unser“ trostloses Uyuni.

6 Comments

  1. Das klingt ja mal wieder nach einem tollen Abenteuer und die Farben hat die Kamera wunderbar eingefangen.
    Ihr scheint am Posen vor der Kamera Gefallen gefunden zu haben und habt da in der Salzwüste ein einzigartiges Set bekommen. Die sind spitze. Da wird der Platz an der Wand nach der Reise sicherlich knapp. 🙂
    Und die Flamingos in der Wüste! Einzigartig! Da wäre ich mal wieder gerne dabei gewesen…(aber vielleicht wird das ja noch irgendwann 😉 )

    1. Ich glaube, die Wand muss tatsächlich ausgebaut werden. 😉

      Also wir würden uns ja nach wie vor wirklich riesig freuen, wenn Du uns ein Stück begleitest. Dann siehst Du zwar die Salzwüste nicht, denn ich glaube nicht, dass wir da gleich wieder hin fahren, aber bestimmt noch ein paar andere nette Ecken!

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  4. Diese unglaubliche Sicht auf die Stern dort überall, das ist schon etwas ganz besonderes. Hier hat man ja schon den Eindruck, dass es nirgendwo mehr so eine Gelegenheit gibt.
    Die Laguna Colorado hat mich auch total verblüfft, dass das Wasser so getrennt voneinander dort zu sehen ist, was es nicht alles auf dieser Erde zu sehen gibt.
    Wie man diese witzigen Fotos in der Wüste macht, habt ihr mir ja erklärt, aber dauert es nicht sehr lange, bis man die richtige Position aller Teilnehmer zustande bekommen hat? Und Jan, gleich verschluckt von Maria! Da muss Jan ja genau im richtigen Moment in genau der richtigen Position hoch gesprungen sein? Oder hat er “nur” gekniet? Ach, egal , die Fotos sind eine Wucht!
    Geysire, die hätte ich ja gern mal gesehen. Ist das Wasser wirklich heiß?

    Kirsten55
    1. Ja, die Lichtverschmutzung in Europa ist schon ein echtes Hindernis. Man muss aber auch sagen, dass der südliche Sternenhimmel deutlich mehr zu bieten hat als der nördliche, selbst wenn man mal freie Sicht auf letzteren hätte.

      So lange dauert das mit dem Positionieren gar nicht. Aber da hat uns auch die Erfahrung der Guides geholfen, die haben das ja bereits hundertfach gemacht. Trotzdem musste Jan einige Male hüpfen, bevor das Bild ganz perfekt war.

      Uns wurde gesagt, dass die Geysire bis zu 170 °C heiß sind. Wir haben allerdings Abstand davon genommen, das selbst zu testen… Notiz am Rande: Als wir an den Geysiren waren, war ja bereits die Sonne untergegangen und es war so, so bitterkalt, dass wir von der Wärme der Geysire trotzdem nichts mitbekommen haben. Da reichte schon der halbe Meter Abstand. Nur einmal, als wir mitten durch so eine schwefelstinkende Wolke liefen, wurde es kurz etwas weniger frostig.

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