Luang Prabang gilt als das Juwel von Laos, als Oase für Besucher aus aller Welt. Der Mix aus französischer Kolonialarchitektur und 33 buddhistischen Tempeln auf einer kleinen Halbinsel, sowie dem Mekong, der hier gemächlich vorbeifließt, versprach viel und war der UNESCO immerhin Laos‘ zweiten Weltkulturerbetitel wert. Schon bevor wir ankamen, wussten wir, dass wir uns wohlfühlen würden. Und nachdem wir dort waren, verstehen wir, warum so viele Besucher hier hängen oder zumindest länger als geplant bleiben.

Das war uns zwar nicht vergönnt – wie immer drängte die Zeit – aber wir genossen unsere zwei Tage in Luang Prabang und erholten uns ein wenig von unseren Abenteuern abseits der ausgetretenen Pfade. Manchmal ist es schön, in so einem Ort zu sein, an dem die touristische Infrastruktur voll ausgebaut ist. Wo es neben malerischen Unterkünften nette Souvenirläden und viele hippe oder alternative Cafés gibt. Noch besser, wenn dabei das asiatische Flair nicht völlig verloren geht.

Tak Bat: morgendliche Almosen

Dieses kann man vor allem früh morgens aufnehmen, wenn noch nicht so viele Ausländer unterwegs sind. In der Zeit zwischen halb sechs und sieben/acht Uhr haben die Laoten die Straßen noch weitestgehend für sich. Da sie, wie in allen südostasiatischen Ländern üblich, früh morgens aufstehen, können sie auch an touristischen Hotspots wie Luang Prabang noch ungestört ihren Geschäften und Ritualen nachgehen.

Ein solches Ritual ist Tak Bat, das morgendliche Sammeln von Almosen der buddhistischen Mönche. Es ist in ganz Laos und Thailand verbreitet, brachte es in Luang Prabang aber kontroverserweise zu gewisser Berühmtheit unter Reisenden. Wir fanden deshalb in der ganzen Stadt Schilder mit der Bitte, die Mönche und die Einheimischen beim Tak Bat nur aus der Ferne und mit angemessenem Respekt zu beobachten.

Bei Tak Bat werden den Mönchen der umliegenden Tempel und Kloster Almosen in Form von Reis gegeben. Die Einheimischen stehen dafür extra früh auf, um einen großen Topf Klebreis zu kochen. Damit hocken oder knien sie sich an die Straßen, an denen entlang die Mönche wandern. Die Mönche tragen ihre sogenannten Almosenschüsseln an langen Stoffbändern über der Schulter. Sie öffnen den Deckel, wann immer sie an einem Spender vorbeikommen. Dieser oder diese gibt dann eine Handvoll Reis in die Schüssel.

Die Herstellung solcher Schüsseln hatten wir in Bangkok beobachten dürfen und uns damals gefragt, wie diese eigentlich zum Einsatz kommen.

Tak Bat findet in aller Frühe und vollständiger Stille statt. Die Mönche, die sich idealerweise in Meditation befinden, werden in dieser nicht von den respektvollen und ehrfürchtigen Einwohnern gestört. Über Jahrhunderte hat sich so eine symbiotische Beziehung gebildet und gefestigt. Die Mönche verlassen sich auf die Almosen der Bevölkerung und beten dafür für das spirituelle und religiöse Wohlergehen der Menschen. Tempel und Stadt, Mönche und Nicht-Mönche gehören untrennbar und fest zusammen.

Morgenmarkt

Wer so früh auf den Beinen ist, kann zurück ins Bett klettern. Oder er macht das, was die Einheimischen um diese Uhrzeit tun: Er geht auf den Markt. Auf den Morgenmarkt, um genau zu sein.

Obwohl sich nach kurzer Zeit leider auch eine riesige chinesische Reisegruppe durch den engen Gang zwischen den Verkäufern drängelte (und den Menschen mit ihren Kameras beinahe in die Nase kroch), waren wir schwer beeindruckt. Denn von diesem Störfaktor einmal abgesehen (und wenn man es genau nimmt sind wir ja auch solch ein Störfaktor, nur vielleicht nicht ganz so penetrant) vermittelte dieser Markt noch ein sehr authentisches Gefühl.

Es wurden allerlei Obst und Gemüse angeboten – von dem wir das meiste inzwischen mindestens einmal auf dem Teller hatten, was uns ein klein wenig stolz machte. Wir sahen aber auch, wie große Frösche ausgenommen und „appetitlich“ angerichtet wurden oder wie Fischhäute fein säuberlich abgekratzt wurden.

Die obligatorischen lebenden und toten Hühner wurden genauso angeboten wie – leider – zwei Warane, denen man die Beine auf den Rücken gebunden hatte, damit sie nicht weglaufen konnten. Warane gelten in südostasiatischen Ländern als Leckerbissen beziehungsweise stehen bei der ländlichen Bevölkerung gerne als Grillfleisch auf dem Speiseplan. Insofern sind diese Warane sicherlich nicht mehr oder weniger zu bedauern als all die Fische, die frisch gefangen zum Markt getragen werden.

Traurig stimmten uns allerdings die lebenden Eulen, die hier verkauft wurden. Denn diese landen nicht einmal auf einem Teller. Sie werden zum „Freilassen“ angeboten, damit sich dumme Touristen ein niedliches Erlebnis, ein Instagram-Foto und ein „reines“ Gewissen erkaufen können. (Ob sich Einheimische so etwas „gönnen“, wissen wir nicht.) Leider ist diese Praxis in Asien sehr verbreitet und scheint auch nicht zurückzugehen.

Auf der anderen Seite

Den restlichen Tag, der nach westlichem Maßstab ja noch gar nicht richtig begonnen hatte, widmeten wir den Sehenswürdigkeiten von Luang Prabang. Neben dem Stadtbild sind das vor allem die Dutzende von Tempeln, die hier dicht an dicht beieinander sitzen, sich stellenweise sogar eine Außenmauer mit Durchgang teilen.

Wir begannen allerdings auf der anderen Seite des Mekong, wo das Leben noch ein wenig ruhiger, man könnte beinahe sagen, schläfriger ist. Einige größere Tempel säumen hier die westwärts führende Straße.

Von Wat Chom Phet hatten wir eine tolle Aussicht auf die Halbinsel von Luang Prabang. Der Tempel selbst war eine witzige Mischung aus alten und neuen Gebäuden, die aber alle ein wenig verfallen wirkten. Vor der großen Versammlungshalle hing eine Glocke, die aus einer alten Bombenhülle gebaut worden war und in die Pfade waren Herzchenmosaike aus Steinen eingelassen.

Der Wat Long Khun wirkte, als wären die Mönche gerade eben in aller Eile aufgestanden und hätten ihre Roben im Garten vergessen. Aus einem der Gebäude tönte dann auch der leiernd-melodiöse Singsang eines Mönches, der vermutlich religiöse Texte vortrug. Ein junger Novize lief noch einmal schnell zu den Wohnhäusern der Mönche – vielleicht hatte er mehr als nur die Robe vergessen.

Wat Tham Sakkalin überraschte uns mit einem kleinen Gebäude, dessen Außenwände mit so etwas wie einem buddhistischen Comic bemalt waren. Der Rest der Tempelanlage befand sich am Hang des Berges, entlang dessen wir nun wanderten. Am Ende der hinaufführenden Treppe wartete der Eingang zu einer Höhle auf uns. Von dieser Höhle hatten wir gehört, dass sich hier während des zweiten Indochinakrieges die Bevölkerung Luang Prabangs versteckt hielt, wenn die Amerikaner ihre Luftangriffe flogen. Und wirklich war diese Höhle, die von außen so unscheinbar wirkte, geradezu riesig. Kein Wunder, dass sie zur Zuflucht von mehreren tausend Menschen geworden war.

Unverhoffte Entdeckungen

Mehr als diese drei Orte hatten wir ursprünglich gar nicht auf dem Plan. Angesichts von 40 °C – wieder einmal – wollten wir am heutigen Tag auch gar nicht so weit wandern. Dann aber packte uns der Ehrgeiz, den Weg doch noch zu Ende zu gehen. Denn dort sollte es noch einen Tempel geben.

Gesagt, getan. Wat Hadsiao belohnte unser Durchhaltevermögen mit einer unprätentiösen Atmosphäre und einem scheinbar wahllosen Durcheinander von Gebäuden, deren Zweck uns ein Rätsel war. (Eins davon sah aus, als habe man einfach eine Treppe in die Landschaft bauen wollen. Und weil man dann nicht wusste, was man mit dieser Treppe anfangen sollte, hing man oben noch eine Glocke hin.)

Zum Wat Hadsiao gehört auch ein Friedhof, was wir aber nicht wussten. Wir sahen nur einen Pfad, der sich an zwei Wächtern vorbei in die Büsche schlängelte und folgten ihm. Zwischendurch waren wir nicht sicher, ob dieser überhaupt noch genutzt wurde, so vernachlässigt sah der Weg aus, der uns Stück um Stück den Hügel hinter dem Tempel hinaufführte. Schließlich aber standen wir in einem kleinen Friedhof mitten im Wald und wussten, warum hier wohl selten jemand hinaufkam.

Zurück auf der Luang Prabang-Seite des Mekong standen wir vor der Qual der Wahl: Fast drei Dutzend Tempel locken hier, dazu ein Königspalast, eine ziemlich chillige Café- und Einkaufsstraße und wackelige Bambusbrücken. Aber der Tag war bereits zur Hälfte rum, also mussten wir uns auf einige wenige Highlights konzentrieren.

Ein kleiner Palast

Der laotische Königspalast zählt für die meisten Besucher Luang Prabangs vermutlich nicht zu den Höhepunkten, ist aber durchaus einen kleinen Blick wert. Mit seinen großen Vettern in Bangkok oder in Phnom Penh kann er allerdings wirklich nicht mithalten. Wir beschränkten uns außerdem darauf, von außen zu gucken. Denn im Gegensatz zum thailändischen und kambodschanischen Königspalast könnte man hier sogar hineingehen und einige der im Originalzustand bewahrten Räume besichtigen.

1904, also noch während der französischen Kolonialisierung, wurde der Palast für König Sisavang Vong gebaut. Nach seinem Tod wohnte Kronzprinz Savang Vatthana dort mit seiner Familie. Bereits 1975 wurde die Monarchie von der kommunistischen Partei Laos‘, der Pathet Lao, überworfen. Die königliche Familie wurde in Umerziehungscamps gebracht, in denen sie vermutlich umkamen. Man hörte jedenfalls nie wieder etwas von ihnen. Der Palast wurde zum Nationalmuseum umfunktioniert.

Eine Statue von König Sisavang Vong steht unweit des Palastes. Sie wirkte, ganz anders, als wir das aus Asien bisher gewohnt waren, martialisch, kantig und grobschlächtig. „Stalinistisch“ kam mir als erste Assoziation in den Kopf. Und wirklich entdeckten wir kurz darauf eine Plakette, die Russland als edlen Spender der Statue identifizierte.

Von edlerem Aussehen ist da der Pha Bang Buddha, der in einem eigenen, prachtvollen Tempel untergebracht ist. Er ist das wichtigste buddhistische Bildnis in Laos und darf deshalb nicht fotografiert werden. Seit dem 14. Jahrhundert residiert diese 83 cm hohe Statue in Luang Prabang, welches (in leicht abgewandelter Schreibweise, aber ähnlicher Aussprache) nach ihm benannt ist. Nach laotischer Legende wurde er vor 2.000 Jahren in Sri Lanka gegossen. Tatsächlich stammt er vermutlich eher aus dem Angkor des 14. Jahrhunderts, was ja immer noch ziemlich alt ist. Der Pha Lang Buddha schaut auf eine wechselhafte Geschichte voller Plünderungen, Entführungen und Rückführungen. In seinem erst 2006 fertiggestellten Tempel hat er nun hoffentlich seine endgültige Heimat gefunden.

Straßenimpressionen

Fast am Ende der kleinen Peninsula, auf der Luang Prabang liegt, befindet sich der Tempel Wat Xieng Thong, der bekannteste und beliebteste Tempel der Stadt. Dies war unser letztes Ziel für heute. Auf dem Weg dorthin ließen wir es uns aber nicht nehmen, durch eine der schönsten und belebtesten Straßen Luang Prabangs zu flanieren. Hier drängen sich schmucke Restaurants, Cafés, die wir eher in Berlin oder Madrid vermutet hätten und Souvenirshops, die nicht nur Industrieware verkaufen, aneinander.

Hier liegen aber auch einige der schönsten und zugänglichsten Tempelanlagen der Peninsula. Ich muss gestehen, dass ich gerne noch ein, zwei weitere Tage damit verbracht hätte, all diese zu erkunden. So mussten uns flüchtige Blicke von außen genügen.

Wir kamen auch an einer Grundschule vorbei, auf deren Schulhof zu unserem Erstaunen immer noch Schulkinder spielten. Vermutlich waren dies Schüler, die in der „Spätschicht“ zur Schule gingen. Davon hatten wir früher schon gehört: Schulen bieten sowohl von morgens bis mittags, als auch von mittags bis abends Unterricht an. Der Grund scheint vor allem Lehrermangel zu sein.

Außerdem sahen wir diese fabelhaften Bambuskonstruktionen, die sich während der Trockenzeit über den Fluss spannen und die Bevölkerung ein klein wenig unabhängiger von den Fähren machen. Die Arbeit, die diese Brücken gekostet haben, lässt sich leicht erahnen. Kein Wunder, dass man für das Überqueren einen kleinen Obolus zahlen muss. Jetzt, am Ende der Trockenzeit, sind die Tage der Bambusbrücken jedoch beinahe gezählt. Sobald die Flusspegel von Mekong und Nam Khan steigen, werden die filigranen Bauwerke einfach mitgerissen.

Ein ungewöhnlicher Tempel…

Wat Xieng Thong schließlich übertraf definitiv unsere Erwartungen. So viele Gebäude, die hier inmitten einer wirklich schönen Gartenanlage standen! Natürlich gab es wieder jede Menge Buddhas, aber auch ein paar ungewöhnliche Dinge. So dient beispielsweise eins der Gebäude als „Garage“ für den königlichen Begräbniswagen.

Vom Hocker gehauen haben uns aber die phantasievollen und kreativen Mosaike, die sich an vielen Außenwänden und auch in einigen der Tempel fanden. Von Szenen aus dem Leben Buddhas bis hin zu manchmal sehr humoristischen Ansichten des einfachen Dorflebens reichte das Spektrum, und wir haben sicher nur einen Bruchteil gesehen.

…und ein ungewöhnliches Konzert

Wir hatten heute schon so viele einzigartige und ungewöhnliche Dinge gesehen. Und trotzdem staunten wir nicht schlecht, als wir plötzlich seltsam modern anmutende Musik hörten, die aber ganz offensichtlich auf den traditionellen „Instrumenten“ eines buddhistischen Tempels gespielt wurde. Mehrere junge Mönche oder Novizen hatten sich in eins der kleinsten Gebäude begeben, in dem allerlei Gongs, Schellen, Glocken und Schlaghölzer hingen und standen. Diese nutzten sie, um beinahe rockige Melodien zu Besten zu geben.

Klar, dass alle anwesenden Besucher verblüfft stehen blieben und lauschten. Das war ganz anders als das Bild, das einem sonst vom Buddhismus vermittelt wird.

Noch skurriler, aber auch schöner, wurde es, als wir bemerkten, dass nicht nur die Novizen des Wat Xieng Thong Musik machten. In jedem der umliegenden Tempel gab es eine solche Gruppe musizierender Mönche. All diese Gruppen spielten über die Tempelmauern hinweg gemeinsam. Nicht immer das gleiche Stück, aber doch aufeinander eingehend.

Kuang Si: Wasserfälle wie im Paradies

Wir hatten uns an unserem ersten Tag in Luang Prabang ein straffes Programm verordnet, denn den zweiten Tag wollten wir außerhalb der Stadt verbringen. Ein Ausflugsziel, das hier einfach dazu gehört, sind die Kuang Si Wasserfälle, die auch in der Trockenzeit wunderschön sein sollen.

Wir entschieden uns gegen eine Tour, die für unseren Geschmack ohnehin zu spät starten sollte, und schwangen uns wieder einmal auf einen Mietroller. Mit den zu überwindenden Hügeln auf dem 30 Kilometer langen Weg zu den Wasserfällen hatte dieser ein bisschen zu kämpfen. Schließlich kamen wir aber doch an und das sogar ein kleines bisschen vor den großen Tourbussen.

Wenn Wasserfälle über den grünen Klee gelobt werden, sind wir normalerweise eher skeptisch. Zum einen sind wir keine großen Wasserfall-Fans, zum anderen sind die meisten davon hoffnungslos überbewertet – vor allem, wenn Eintritt verlangt wird.

Zu unserem großen Erstaunen ist Kuang Si hier eine große Ausnahme. Über mehrere Kalksteinformationen ergießt sich türkis leuchtendes, kühles Wasser in Becken, von denen einige zum Schwimmen geeignet sind. Als wir das erste dieser Becken erreicht hatten, wussten wir nicht einmal, dass es dahinter noch weitergehen würde. Wir waren aber auch so schon sehr zufrieden. Doch je höher man steigt, desto besser werden die Wasserfälle eigentlich.

Man könnte sogar bis zur Quelle des Stroms laufen. Wir bewältigten immerhin den nicht ganz ungefährlichen, weil höllisch rutschigen Aufstieg zur obersten Kante. Ein Stück führte der Weg dann noch in einen Wald hinein, vereinte sich dann jedoch mit einer ungemütlich aussehenden, unbarmherzig sonnigen Straße. Auf die hatten wir keine Lust und drehten einfach wieder um. Man muss nicht alles durchziehen.

Sonnen- und Mondbären

Direkt hinter dem Eingang zu den Wasserfällen liegt eine Bärenauffangstation, das Kuang Si Rescue Centre. Mehrere Malaienbären (im Englischen sun bears, also „Sonnenbären“) und Kragenbären / Asiatische Schwarzbären (im Englischen moon bears, also „Mondbären“) haben hier eine Heimat gefunden. Sie wurden zum größten Teil Wilderern abgenommen. Diese wollten sie entweder weiterverkaufen oder töten, um ihre Körperteile für traditionelle chinesische „Medizin“ zu nutzen.

Wir waren gelinde gesagt erstaunt über die Qualität der Anlage, den Platz und die Beschäftigungsmöglichkeiten, die diese Bären hier hatten. Ein schöner Ort, um diese seltenen Tiere einmal aus relativer Nähe zu beobachten. Und vielleicht ein Ort, der ein wenig dazu beitragen kann, das Verständnis darüber, was diese traditionelle „Heilkunde“ mit sich bringt, zu verbreiten.

Die erste laotische Molkerei

Auf dem Rückweg nach Luang Prabang hatten wir noch eine weitere, allerdings gänzlich ungeplante tierische Begegnung. Wir stoppten kurzentschlossen an der Laos Buffalo Dairy, also in etwa der „Laos Büffelmolkerei“. Das sah spannend aus!

Das Geld für die geführte Tour über den Hof war uns am Ende zu viel. Zu einem Stück Joghurt-Käsekuchen mit einer Kugel Zitronengraseiscreme konnten wir aber nicht nein sagen. Unbeschreiblich, wie köstlich beides war! Dass wir die Büffelmilch herausschmeckten, wäre zu viel behauptet. Aber kann bitte jemand in Deutschland anfangen, mit Zitronengras in Eiscreme zu experimentieren?!

Wir schafften es sogar, eine der Inhaberinnen der Molkerei abzufangen und mit einigen Fragen zu bombardieren. Mit viel Energie, Humor und Hingabe stand sie uns gut gelaunt Rede und Antwort und erzählte von diesem ungewöhnlichen Projekt.

Die Laoten und ihr Vieh…

Es ist nämlich so, dass es in Laos zwar viele Kühe und Wasserbüffel gibt, dass diese aber nicht gemolken werden. Die Menschen wissen einfach nicht, wie das geht! Auch wenn es wie ein schlechter Witz klingt, wissen die meisten Bewohner nicht einmal, dass Milch von der Kuh kommt. Klar, auf den Milchpackungen, die aus Thailand, Australien, Neuseeland importiert werden, sind Erdbeeren und anderes Obst abgebildet. (Denn auch Laoten bevorzugen ihre Nahrung süß und künstlich.) Ergo wird Milch aus Obst gewonnen.

Das heißt, dass viele Familien theoretisch die Möglichkeit hätten, ihren Speiseplan signifikant aufzuwerten, das aber gar nicht verstehen. Außerdem mangelt es an Wissen zu guter Zucht (die allermeisten Tiere sind stark inzuchtbelastet), zu richtigem Futter oder zu möglichen Impfungen.

Die Laos Buffalo Dairy betreibt also echte Basisarbeit, indem sie die Büffelkühe von Farmern für ein Jahr „mietet“, die Tiere impft, sie von nicht verwandten Männchen decken lässt, die neugeborenen Kälber aufzieht und nebenbei auch noch ein wenig Milch gewinnt und weiterverarbeitet. Es werden außerdem Fortbildungen und Kurse für Farmer angeboten.

Hört man, was hier alles geleistet wird – und mit wie wenig sie zu Anfang arbeiten konnten – scheint es unglaublich, dass die Molkerei erst vor drei Jahren ihre erste Mietbüffelkuh bekam. Eine von fünf. Heute sind es bereits 200 Tiere, was zeigt, wie schnell die Molkerei das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen konnte. Hoffentlich schaffen sie es auch, in ebenso schneller Zeit Profite abzuwerfen, denn noch operiert die Molkerei nicht kostendeckend.

Zu spät

Wir waren fasziniert, die Köpfe wieder einmal voller Ideen und alles schien möglich zu sein, wenn es Menschen sogar schaffen, Laoten das Melken beizubringen. Nur eins schafften wir heute leider nicht mehr: Das UXO Visitors‘ Centre von Luang Prabang hatte gerade abgeschlossen, als wir dort eintrafen.

Nachdem die Besuchszentren in Phonsavan so tiefe Eindrücke bei uns hinterlassen hatten, wollten wir eigentlich auch das hiesige Informationszentrum zum Umgang mit Blindgängern aufsuchen. Zumal das Centre in Luang Prabang wirklich gut und informativ sein soll.

So blieb uns nur der Blick auf die imposanten Bombenhüllen im Vorgarten, sowie die noch viel imposantere Statistik über entschärfte Bomben und durchgeführte Aufklärungsmaßnahmen der vergangenen Jahre. Wahrscheinlich müssen wir doch noch einmal wiederkommen nach Laos.

2 Comments

    1. …latt haben toll geschmeckt! (Und irgendwie will mein Handy gerade nicht 😅)
      Auch die Fotos mit den Mönchen finde ich toll. Sie sind so farbenfroh!!!
      Die Wasserfälle sehen ein wenig aus wie die, die ich euch empfohlen hatte. Hoffentlich waren bei euren weniger Menschen! 🙂

      Ist da zufällig auch der Tempel, in dem ihr wart, als ihr mich zu meinem Geburtstag angerufen habt?

      Tschakka noch für die nächsten Einträge! 😉

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