Es mag absurd klingen, aber die lange, langsame Bootsfahrt von Laos nach Thailand gehört zu den besten Erinnerungen, die ich an dieses Land habe. Es hat etwas seltsam Beruhigendes und beinahe Meditatives, zwei Tage lang auf einem Slowboat zu sitzen, das den Mekong hinauffährt. Man kann nichts weiter tun, als die Landschaft und das Leben am Fluss zu beobachten, zu lesen, ein oder zwei Blogbeiträge zu schreiben und ab und an ein bisschen zu dösen. Das hat auf wundervolle Weise etwas Befreiendes. Man ist so losgelöst vom Rest der Welt – ein bisschen wie auf einem Langstreckenflug, nur dass letzterer weniger Beinfreiheit und eine größere Filmauswahl bietet.

Slowboat statt Bus

Von Luang Prabang in Laos gibt es genau zwei sinnvolle Möglichkeiten, nach Thailand zu kommen, wenn man nicht fliegen will.

Die erste und kürzere Option: Es gibt einen Bus, der einen innerhalb von 22 Stunden nach Chiang Mai in Thailand bringen soll. Nicht erst seit unseren letzten Buserfahrungen in Laos glaubten wir nicht einmal im Ansatz an diese 22 Stunden. Außerdem hatte ich mir bereits in Südamerika geschworen, niemals nie einen ganzen Tag im Bus zu sitzen, wenn es sich nicht irgendwie vermeiden lässt.

Die zweite Variante ist besagtes langsames Boot. Innerhalb von zwei Tagen bringt es einen bis an die thailändische Grenze, an der man dann wieder auf sich allein gestellt ist. Die Nacht zwischen den beiden Tagen verbringt man übrigens nicht auf dem Boot. Für die sucht man sich eine möglichst günstige Unterkunft in dem Dorf, an dem die Boote vor Anker gehen.

An Bord des Slowboat

Die einzigen Menschen, die auf dem sogenannten Slowboat (zu Deutsch treffenderweise „langsames Boot“) nächtigen sind die Besitzer des Bootes. Auf jedem Slowboat lebt und arbeitet nämlich eine Familie. Und zwar nicht nur, wenn sie gerade Passagiere den Mekong hinauf- oder hinunterschippern.

Die Boote haben alle einen ähnlichen Aufbau. Ganz vorne sitzt das Familienoberhaupt am Steuerrad und navigiert geschickt um Stromschnellen, Untiefen und Inselchen herum. Dahinter, auf einer erhöhten Plattform, ist der Bereich, auf dem sich üblicherweise die Einheimischen, sowie wahrscheinlich die restlichen Familienmitglieder aufhalten.

Der mittlere Hauptteil des Bootes wird vom Passagierraum eingenommen. („Raum“ ist vielleicht etwas irreführend. Während die Boote durchaus Wellblechdächer besitzen, unter denen man sogar stehen kann, gibt es so etwas wie Wände nicht. Stattdessen werden als Sicht-, Sonnen-, Regen- oder Windschutz bei Bedarf Planen herabgelassen und verschnürt.)

Die Passagiere sitzen auf ausgemusterten Auto- oder Bussitzen, die nicht mit dem Boden verschraubt sind und theoretisch frei verschiebbar sind. Ich hatte uns so beispielsweise ein deutliches Plus an Beinfreiheit und eine zweite Sitzreihe gesichert. Pro Boot mögen das so 60 und mehr Sitze sein und man fragt sich unwillkürlich, woher nur all diese Sitze stammen. Ob es da irgendwo eine Autositzmafia gibt, die in Nacht- und Nebelaktionen ganze Busse um ihre Sitzmöbel bringt?

Im Passagierbereich gibt es auch so etwas wie eine kleine Bar, die allerdings nur völlig überteuerte Instantnudeln und Getränke anbietet. Wohl dem Tourist, der sich vorher informiert und mit Sandwiches/Keksen/Süßkartoffelchips/ekligen Kokosfritten eingedeckt hat.

Im hinteren Bereich befindet sich dann die erstaunlich komfortable Toilette, der völlig offene Motor und der Lager- und Wohnraum. Der Motor erzeugt allerdings eine solche Geräuschkulisse, dass man sich hier hinten ohnehin nicht lange freiwillig aufhält.

Leben am Mekong

Auf diesen paar Quadratmetern sollte sich also der größte Teil der nächsten zwei Tage abspielen. Wie schon geschrieben waren es nicht die schlechtesten zwei Tage unserer Reise.

Wir hatten den Mekong mittlerweile richtig ins Herz geschlossen. Wir waren also durchaus froh, ihn noch ein wenig länger erleben zu können, bevor wir fürs Erste Abschied nehmen mussten.

Neben all den schönen Blicken übers Wasser und in die umgebenden Hügel sahen wir auch erstaunlich viel vom Leben am und auf dem Mekong:

Fischer warfen ihre Netze aus oder untersuchten ihre ausgelegten Fallen. Lange, schlanke Boote transportierten Menschen, Waren und das eine oder andere Moped über den Fluss. Kinder spielten und wuschen sich im Wasser.

Wasserbüffel grasten am Ufer oder lagen im Wasser. Vereinzelte Häuschen tauchten auf, manchmal ein Reisfeld, manchmal ein Tempel. Immer wieder fuhren wir an Rauchschwaden vorbei, die anzeigten, dass hier die Brandsaison noch nicht ganz vorbei war.

Gelegentlich hielt das Boot an völlig unscheinbaren Orten, die sich in unseren Augen durch nichts von den davor- oder den dahinterliegenden Kilometern unterschied. Hier stiegen dann ein, zwei, drei Menschen aus, meist schwer bepackt mit den Einkäufen aus Luang Prabang, und entschwanden in den Wald. Die ganze Aktion hat maximal zwei Minuten gedauert und anschließend sah das Ufer genau so unauffällig aus wie zuvor.

Hielt das Boot an Dörfern, kamen die Kinder der jeweiligen Siedlung angelaufen. Neugierig und vermutlich dankbar um jede Ablenkung. Die Erwachsenen folgten gemächlicher und halfen beim Ausladen von Lebensmitteln und Ersatzteilen.

Erstaunlicherweise versuchten die Kinder nur an einem dieser Stopps, uns Touristen etwas zu verkaufen. Hier dauerte der Entladevorgang aber auch besonders lang, da das Slowboat um hunderte Kilo Reis, Getränke und Snacks, wahrscheinlich für die örtlichen Minimärkte, erleichtert wurde. Ansonsten winkten uns die Menschen vor allem freundlich zu, die Kinder manchmal noch ein wenig schüchtern.

Zum Ende

Nach zwei Tagen entschleunigter Flussmeditation legten wir in Houayxay an. Dies sollte unser letzter Stopp in Laos werden. Uns war es ein bisschen zu heikel, noch am selben Tag die Grenzüberquerung zu versuchen (und auf thailändischer Seite hätten wir vor dem gleichen Problem der Unterkunftssuche gestanden.) Daher entschlossen wir uns, noch eine Nacht in Laos zu verbringen.

Die einzigen zwei Hostels waren zwar bereits ausgebucht, aber wir fanden ein Bett in einem der zahlreichen Gasthäuser im Ort. Diese konnten zwar nicht mit besonders viel Komfort oder Sauberkeit aufwarten, aber es war ja nur für eine Nacht. Dafür hatten wir zufällig ein Gasthaus erwischt, von dessen Terrasse wir am nächsten Morgen Tak Bat, das morgendliche Ritual des Almosenspenden, beobachten konnten. Das gab es also wirklich nicht nur in Luang Prabang! Welch schöner Abschluss für unsere Reise durch Laos.

2 Comments

  1. Die Slowboat-Reise hattet ihr schon öfter mal erwähnt und ich kann die Entschleunigung fast fühlen, wenn ich mir die Fotos vom Leben am Fluss ansehe. Was für eine tolle Art, von einem Land ins andere zu kommen!

    1. Ich freue mich, dass wir unsere Erzählungen nun endlich auch mit Fotos untermalen können. Schön, dass die Entschleunigung dabei rüberkommt und wir nicht zu viel geschwärmt haben. Danke Dir. 🙂

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